Dienstag, 17. April 2012

Back in Brisbane – Der ganz normale Wahnsinn

Episode 1: Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden (japanisches Sprichwort)


Wir Deutschen beschweren uns ja schon mal gerne über das öffentliche Nahverkehrnetz, die deutschen Bahn oder einfach den allgemeinen fürchterlichen Zustand jeglicher Verkehrssysteme. Ich, als leidenschaftlicher über-den-Bus-Beschwerer-und-Aufreger stöhne meistens am Lautesten. Doch jedem, der sich über deutsche Züge, Busse oder Bahnen beschwert, kann ich nur einen Auslandsaufenthalt im Nahverkehrsentwicklungsland Australien empfehlen.
Es begann alles bereits früh am morgen meines ersten Arbeitstags, als ich sehr verwirrt an der Bushaltestelle vor Jonas Wohnung folgende Hiobsbotschaft zu lesen bekam:


Glücklicherweise stellte sich die Aufgabe 7 Meter näher an unseren Hausausgang ranzugehen als nicht zu schwierig heraus, doch während einige von euch vielleicht (zurecht) über dieses Schild schmunzeln werden, fass es das größte Problem der Busfahrerei hier sehr gut zusammen:
„...and ensure the driver can clearly see you hail.“
An besagtem “Brunswicks St“ stop 9 ist das noch nicht das Problem, da die Haltestelle zu meist von mehreren New Farmern (so heißt der Bezirk, in dem ich lebe) bevölkert ist und ich so darauf vertrauen kann, dass einer meiner australischen Mitwartenden in der Lage ist die richtige „Hailtechnik“ anzuwenden. Ich hingegen muss mich voll und ganz darauf konzentrieren herauszufinden, ob ich nun in einen Expressbus steige, der dann regelmäßig an meiner Umsteigehaltestelle vorbeirauscht und direkt in die Stadt fährt oder ob mich der Bus bequem im Valley absetzt.
Sollte ich es also erfolgreich geschafft haben das Valley zu erreichen (zur Erinnerung: 7 Meter zurück gegangen, Bus hat angehalten, ich bin in den richtigen Bus eingestiegen bzw. rechtzeitig ausgestiegen), beginnt der schwierige Teil der Busfahrerei. Es ist nämlich so, dass der Taigum Express, den ich am Besten zur Arbeit nehme, nur ca. halbstündig fährt. Dabei heißt es auf der Translink (Brisbaner Verkehrssystem) Seite, dass man damit rechnen muss, dass der Bus bis zu einer Viertelstunde vor der angegebenen Zeit ankommen kann, wobei er tatsächlich jedoch ca. 10 Minuten später kommt. Nun befinde ich mich also jeden Morgen in der Situation abzuschätzen, ob der Bus nun schon da war oder eben noch nicht. Das ist von daher wichtig, da der andere Bus (der zwar etwas länger braucht und bei dem ich weiter laufen muss), den ich noch nehmen kann, von einer Haltestelle 95 Meter weiter unten auf der Straße abfährt. Was mich nun wieder zu der richtigen Hailtechnik zurückbringt. Denn ein Bus hält nicht an, wenn man nicht unter dem Haltestellenschild steht und eben vollkommen korrekt hailt. Aber sas ist denn eigentlich nun „hail to the driver?“. Folgendes Abbildung macht die richtige Technik und Positionierung deutlich:


Wichtig dabei ist, dass der Arm genau den richtigen Winkel zum Rest des Körpers hat, wobei man bei Ausführung des Hails nah genug an der Straße stehen muss, um vom Busfahrer als erfahrener Hailer erkannt zu werden, aber weit genug weg, um nicht vom Bus überfahren zu werden. Sollte man z.B. Blickkontakt mit dem Busfahrer haben und diesem kurz zunicken, so nickt dieser freundlich zurück und rauscht an einem vorbei. Gleiches gilt für winken oder panisches Rennen (wobei eine Kombination aus beiden schon mal zu Erfolg führen kann). Ihr seht, es ist nicht so einfach einen australischen Bus davon zu überzeugen, dass man gerne mitfahren möchte.
Sollte man es schließlich in den Bus geschafft haben, gilt es sich und sein Gepäck so gut zu sichern wie eben möglich. Eine Busfahrt nach Chermside steht jeglichem Fahrgeschäft auf den Wiesen in nichts nach (außer vielleicht, dass es im Bus keine Möglichkeit gibt sich anzuschnallen). Während man also abwechselnd sich selbst von der Decke des Busses oder sein Gepäck vom Vordersitz auflesen muss, gilt es genaustens auf den Weg zu achten. Die Vorzüge eines Ansagesystems (selbst wenn erfahrene Kritiker jetzt anmerken werden, dass man deutsche Ansager sowieso nicht verstehen kann) sind noch nicht bis nach Australien durchgedrungen und ähnlich wie das richtige Hailen will das abgepasste Drücken geübt sein. Da der Bus in der Regel mit ca. 70 kmh über die Straßen brettert, darf man nicht so spät drücken, dass der Bremsweg für ein abruptes Stoppen nicht ausreicht. Hingegen darf auch nicht so früh gedrückt werden, dass man sich noch an der vorherigen Haltestelle befindet, denn dann scheint es eine moralische Verpflichtung zu geben genau an dieser Haltestelle auch auszusteigen.

Inzwischen bin ich natürlich ein erfahrener Profihailer und drücke mit eingeübter Coolness immer genau im richtigen Zeitpunkt. Und wenn man sich richtig zwischen die Sitze klemmt, kann man sogar ein paar Seiten während der Busfahrt lesen...


Episode 2: Deutsche Invasion in der Lab

Während ich im letzten Jahr noch als echte Exotin im Lab galt und nur mit einer Französin konkurrieren musste, bin ich inzwischen nur noch eine unter vielen. Tatsächlich würde ich nun mit Australischer Staatsangehörigkeit der Minderheit angehören. Während Michael eisern die grün-goldenen Farben aufrecht hält, lässt sich Shaun nur noch ein- bis keinmal die Woche blicken und Daniel ist inzwischen auch schon nach Europa geflohen, sodass Amtssprache im Lab nun zu Deutsch erklärt wurde (Michaels Sprachkenntnisse werden täglich besser).
Die restliche Belegschaft setzt sich wie folgt zusammen:
Frank, ein echter Dresdener Ingenieur, macht seinen gesamten Doktor hier. Jo, ein ehemaliger RWTHler, macht gerade Zwischenstation in Brisbane während seines Work and Travel Jahrs. Matthias, ein noch aktueller RWTHler, macht hier ein halbjähriges Praktikum. Neben uns Deutschen bringen David, ein kolumbianischer Masterstudent, und Yu („who me?“,“no not you, Yu...“) ein japanischer Masterarbeiter ein wenig Internationalisierung in den Arbeitsalltag. Nur am traditionellen Student-Monday erinnert man sich wieder, dass wir hier eigentlich in einer australischen Arbeitsgruppe sind.
Die gesamte Truppe (einschließlich der Studenten) ist inzwischen so angewachsen, dass unser letztes monatliches Treffen, an dem jeder sein Projekt und seine Arbeitserfolge kurz vorstellt, über 2,5 Stunden gedauert hat. Es wird also an allen Ecken und Enden des künstlichen Herzens eifrig optimiert und gebastelt.
Die Arbeit an sich ist nach wie vor sehr interessant. Während ich mich im alltäglichen Arbeitsbetrieb immer mit einer Wasser-Glyzerin Mischung einsaue, die die Viskosität von Blut imitieren soll, war wohl der spannendste Teil bis jetzt Shaun bei Versuchen am zunächst tierischen und schließlich sogar menschlichen Herzen zu assistieren. Wobei es genau bei diesen Versuchen ging, kann ich aus Geheimhaltungsgründen (beim Wort Patent hab ich reflexartig abgeschaltet) natürlich nicht erzählen, aber die Erfahrung ein Herz aus einer Leiche zu explantieren und danach Versuche damit zu machen, war wirklich ziemlich krass.


Dabei musste ich auch feststellen, dass an mir ein großes chirurgisches Talent verlorengegangen ist, als ich mit geübter Nadelführung die Löcher in der Herzwand wieder zunähte.



Episode 3: Die Qual der Wahl

Während ich seit meiner Ankunft in Brisbane von Meer, Sonne und Strand träumte, hatte Jonas da ganz andere Pläne für seine kleine Schwester. An meinem ersten Wochenende in „Queensland – Sunshine State“ standen Landtagswahlen an. Jonas hatte für diesen Tag eine große Versuchsreihe für seine Promotion geplant und so machten wir armen Würmer uns Samstag morgen um 06:00 Uhr auf den Weg mit Herzmessgeräten und Fragebögen bewaffnet, und bauten unser „Versuchslabor“ neben dem Wahllokal auf.
Bei der Studie ging es darum zu schauen, wie sich die Herzrate ändert, wenn Leute wichtige Entscheidungen treffen (so z.B. das Kreuz bei einer Wahl setzten) und ob es einen Zusammenhang zwischen ökonomischen Entscheidungen und ihrer Wahlentscheidung, ihrem Wohnsitz und anderen Eigenschaften (deshalb der Fragebogen) gibt. Während wir also in einem Wahlbezirk unsere Zelte aufgeschlagen hatten, besetzte ein anderes Team einen anderen. Beides Bezirke, in denen die Entscheidung zwischen Labour und Liberals noch ziemlich knapp ausfallen könnte.
In Australien herrscht Wahlpflicht und das allgemeine Wahlkampfprinzip scheint vorzusehen, dass man die Wähler am Eingang der Wahllokale noch von seiner Partei überzeugt. So mussten wir uns zwischen überdrehte Wahlkämpfer quetschen und die genervten Leute davon überzeugen, dass wir Forschung für die Uni machen wollten anstatt Werbung zu verteilen. Besonders erschwert wurde diese Aufgabe durch Kate Jones, die Kandidatin der Labourpartei für diesen Bezirk.


Unermüdlich sprang sie vor jeden ankommenden Wähler, ergriff sogleich eine freie Hand und schleuderte den verwirrten Ankommenden mit ihrem immer grinsenden Gesicht ein fröhliches „hey, how you’re doing?“ entgegen. Dies führte nun dazu, dass die Leute zu geschockt von diesem Zusammenstoß waren, als das sie sich auf Uniresearch hätten einlassen können oder aber sie hatten es geschafft ein Schlupfloch zu finden und stürmten froh der Gefahr entkommen zu sein direkt ins Wahllokal.
Erst als wir den Hintereingang, bei dem wir uns nur von den Hotdogverkäufern abheben mussten, auch noch sicherten, konnten wir eine halbwegs stetige Erfolgrate aufweisen.
Letztendlich schafften wir es aber doch ca. 80 Leute davon zu überzeugen während des Wählend einen Herzmonitor zu tragen und anschließend einen Fragebogen auf Ipads auszufüllen. Und das ganze in nur 10 Stunden.
Als wir schließlich diesen ersten sonnigen Tag, den ich in Brisbane erlebt hatte, hinter uns gebracht hatten, waren wir so platt, dass wir gegen 21:00 Uhr schon soweit waren ins Koma zu fallen. Ich versuchte mich noch etwas länger wach zu halten, da ich fürchtete, dass mich die überdrehte immerzu lachende Kate bis in meine Träume verfolgen würde. Das tat sie dann schließlich glücklicherweise nicht, vielleicht auch weil die Labour Party die Wahl hoffnungslos verloren hatte.
Auf jeden Fall blieb am nächsten Tag ausreichend Zeit an die Gold Coast zu fahren und endlich ins Meer zu springen (auch wenn es am nächsten Tag natürlich äußerst bewölkt war...).

Mittwoch, 4. April 2012

14.-18.03.2012 Melbourne


1. Tag: In 80 Kilometern durch Melbourne

Römischer Mythologie zur Folge ist Hermes unter Anderem der Gott der Reisenden. Etwas modernere Legenden besagen, dass ich zu den wenigen Auserwählten gehöre, die genau wissen wie sie Hermes in Zeiten des Weltenbummelns effektiv anbeten und so problemfrei und vor allem größtenteils schlafend die Welt durchqueren können. Dem Mythos zu Folge braucht man allerdings einen magischen Gegenstand (ähnlich dem eines muslimischen Gebetsteppichs oder eines gekreuzigten Jesus), mit welchem die Kommunikation zu Hermes erst möglich wird. Während ich also nun die ca. 16590 km zwischen Düsseldorf und Melbourne zurücklegte, baumelte eben jener magische Gegenstand zufrieden vor sich hinschlummernd in meiner verlassenen Wohnung in Aachen. So kam es, dass ich wie jeder übliche Amateur-Reisende müde und zermürbt nach 13 Stunden und 25 Minuten Non-Stop-Flug von Dubai nach Melbourne aus dem Flieger ausstieg und mich etwas orientierungslos nach meinem Gepäck umschaute (die mitgebrachte Deutschlandfahne hatte sich noch beim Sondergepäck versteckt).

Doch in Melbourne brach gerade ein neuer Tag an und so galt es Müdigkeit und Erschöpfung hinter sich zu lassen und die Eindrücke der Stadt aufzusaugen. Dazu hatte ich dann auch gleich ausgiebig Gelegenheit, denn nachdem ich naiv in den nächstbesten Bus eingestiegen war, befand ich mich doch tatsächlich am falschen Ende der Innenstadt. Eigentlich war ich mit Annika (einer Kommilitonin aus Aachen, die gerade ein Auslandssemester in Melbourne macht) an der Central Station verabredet, aber eben jener erstbeste Bus spuckte mich an der Southern Cross Station aus. Da an Gleis 9 ¾ leider gerade umgebaut wurde, musste ich wohl oder übel am Bahnhof warten bis Annika mich unter meinem Gepäckhaufen wiederfand. Denselben schleppten wir dann erstmal die ca. 3 km bis zu Annikas Studentenbude. Das Gebäude erinnerte von Außen ein bisschen an eine Mischung aus Gefängnis und heruntergekommenem Fabrikgebäude und war auch von innen ein bisschen kahl gehalten. Da die Zimmer immer nur semesterweise an internationale Studenten vermietet wurden, befand sich die Inneneinrichtung noch in der Aufbauphase, doch Annika arbeitete bereits fleißig am Aufschwung der Gemütlichkeit. Hilfreiche Unterstützung bekam sie dabei von ihrer kanadischen Mitbewohnerin und teilweise auch vom polnischen Mitbewohnern. Den Asiaten war der Werdegang der Wohnung allerdings sichtlich egal bzw. schienen sie sich sogar einer kontraproduktiven Verdreckungsbewegung angeschlossen zu haben.

Wir machten uns also schnell auf die Stadt zu erkunden. Bei strahlendem Sonnenschein schlenderten wir am Ufer des Yarra-Flusses entlang, gönnten uns einen dampfenden Kaffee in Melbournes kleinen Gässchen, staunten über die Graffittikunstwerke an den Häuserwenden und ließen uns einfach von Melbournes aufgeweckter Geschäftigkeit treiben. Gegen Mittag hatte Annika dann ein Vorstellungsgespräch für einen Job an der Uni, sodass ich ein bisschen Zeit hatte, meine müden Knochen auszustrecken und im Unipark ein halbes Stündchen vor mich hinzudösen. 


Danach ging’s aber direkt weiter und zwar in den Queens Victoria Garden, in dem wir ausgiebig picknickten. Da die Australier nicht nur hervorragend die Sonne anbeten können, sondern auch ganz gut in der Weinproduktion sind, wurden Brot und Aufstrich mit einem erfrischenden Weißwein gekürt. Bester Laune ging’s dann weiter durch den Park und den angrenzenden botanischen Garten. 


Inzwischen war ich mir schon nicht mehr sicher, ob ich noch Füße oder schon aufblasbare Kissen an meinen Beinen trug, doch der Tag war natürlich noch nicht vorbei. So tankten wir ein bisschen Energie im Wohnheim und machten uns anschließend auf den Weg in die Carlton Gardens. Dort galt es noch ein bisschen Wein zu genießen, dem australischen Volk beim Tennis zuzugucken und sich von Mücken vollkommen auffressen zu lassen (das galt vor allem für mich alten Süßbluter). Als wir schließlich wieder zurück zu Hause waren, ließ ich mich vollkommen platt auf meine Isomatte fallen. Ich bekam noch gerade so mit, wie Annika mir verkündete, dass ich jetzt Geburtstag hätte bevor ich zumindest kurzzeitig das zeitliche segnete.


2. Tag: Kaffeekranz mit Haien und Killerrochen

Solide 9 Stunden später erwachte ich etwas orientierungslos aus meiner Komastarre. Annika war beriets zur Uni gegangen und so hatte ich etwas Zeit mich zu akklimatisieren. Einen großen Kaffee und einen ausgepackten Haufen Geschenke später, war ich wieder topfit und bereit zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Ein Blick nach draußen verriet mir, dass ich mein angestammtes Geburtstagswetter mit nach Melbourne genommen hatte, denn es regnete in Strömen. Der ursprüngliche Plan eines Strandausflugs wurde also gleich wieder verworfen, doch ein bisschen Meeresleben sollte ich doch erleben dürfen.

Wie ich mich an meinem 25. Geburtstag wie an meinem 15. Geburtstag fühlte, Teil 1:
Los ging der aktive Teil des Tages also nun in Melbournes großem Aquarium (was eigentlich auch nur ein etwas schickeres Wort für „Zoo für Meerestiere“ ist). Pinguine, Haie, Riesenrochen, bunte Fische, farblose Fische (sogar durchsichtige), große Fische, kleine Fische, Korallen, Sägefische, Seesterne, Oktopusse, Seepferdchen, jedes erdenkliche Meeresgesocks tümmelte sich in verschiedenen Aquarium und wurde von uns mit „ah“-, „ih“-, „ohs“ und „hihis“ bestaunt und belacht. Die Fische schienen uns auf jeden Fall weniger aufregend zu finden als andersherum und da wir dann doch irgendwann einsehen mussten, dass sich langfristig hier keine tiefsinnigeren Freundschaften würden entwickeln können, machten wir uns wieder auf den Weg.


Das Wetter hatte sich nicht genug stabilisiert, um ein ernsthafteres Outdoorprogramm zu unternehmen und so hangelten wir uns von Kaffee zu Kaffee und schließlich zu leckerem Geburtstagskuchen in der WG. Der Kuchen wurde von edlem Goon (australischem Billigwein) begleitet und so begann...

...wie ich mich an meinem 25. Geburtstag wie an meinem 15. Geburtstag fühlte, Teil 2:
Annika hatte einen Tisch in einer Bar in der Innenstadt reserviert. Dieser war zwar als wir ca. eine Stunde zu spät dort ankamen schon von anderen besetzt, aber auch ohne Balkonplatz schmeckte das Essen hervorragend. Dazu gab es nach gutem alten „Ladys Night“ Donnerstagsangebot „Champagne“ (Achtung! Es kann auch schon beim lesen der folgenden Erlebnisse zu Kopfschmerzen kommen) für einen Dollar. So stieß ich also mit einer Traube internationaler Studenten mitten in Melbourne auf meinen Geburtstag an. Die ganze Szene wurde mit Hits, an die ich mich noch entfernt aus meiner Schulzeit erinnern konnte, unterlegt. Die Mädels mir gegenüber unterhielten sich derweil über einen ganz gut aussehenden, aber unglaublich alten Typen. Als sie mir mit großen Augen eröffneten, dass dieser schon 30 sei, beschloss ich doch lieber auf Bier umzusteigen und mich innerlich schmunzelnd für den Rest des Abends eher in die Beobachterposition zurückzuziehen. 


3. Tag: No cash on the tash

Was sich am vorherigen Abend noch als beiläufige Nebensächlichkeit dargestellt hatte, stellte sich am Freitag als richtiges Problem heraus: Irgendwie hatte es geschafft auf meinem Hinflug den Magnetstreifen meiner Bankkarte kaputt zu bekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich noch ganz gut mit Bargeld ausgekommen, aber nun stand ich etwas blöd da, als mir der ca. 10te Bankautomat verkündete, dass er „leider“ meine Karte nicht lesen könne. Derweil hatte Annika ihre eigenen Probleme mit der Geldbeschaffung mittels Kreditkarte (PIN Angabe nach Konsum von 1$ Champagne sollte weltweit verboten werden). So standen wir etwas bedröppelt in der Gegend herum und überlegten, was man wohl in Melbourne kostenlos und bei Regen so machen könnte. Erbost stieß ich meine Faust gen Himmel: „Hermes! Hast du mich etwa verlassen? Auch ohne magischen Gegenstand bin ich doch auf dich angewiesen!“ Doch das bewirkte nur, dass es noch heftiger regnete.

Am morgen hatte ich mich auf dem Weg zum ca. 500 Meter entfernten Melbourne Museum bereits verlaufen und auch wenn mich die dortigen Ausstellung vollkommen begeistert hatten, hatte ich inzwischen die Nase voll von Tagesabläufen, die nicht so liefen, wie ich mir das vorstellte. Als Antwort auf all unsere Sorgen und Probleme nahmen wir erst einmal die kostenlose Tram. Diese Touribimmelstraßenbahn fährt munter im Kreis um Melbournes Innenstadt herum und erzählt einem etwas über Sehenswürdigkeiten und deren Öffnungszeiten. So ließen wir den Regen regnen und die Bankkarten nicht bänkern und schauten uns Melbourne durch verschwommene, regentropfenbedeckte Tramfenster an.

Die Fahrt brachte uns schließlich zum Immigrantenmuseum (neue Fahrtziele können nämlich in der kostenlosen Tram schnell in den aushängenden Touribroschüren herausgesucht werden). Das Museum überraschte mich positiv. Insgesamt lässt sich festhalten, dass in Australien die Museen sehr liebevoll gestaltet sind. Selbst wenn es inhaltlich nicht so viel zu entdecken gibt, so gibt es immer kleine Geschichten zu lernen, etwas zum anzufassen oder zum auszuprobieren. So konnten wir uns z.B. in nachgebauten Kabinen eines Einwanderungsschiffes austoben oder per Knopfdruck die Geschichte verschiedener eingewanderter Nationen erfahren. 


Der Tag war schließlich so dahin geplätschert und hatte am Ende schließlich doch noch eine ganz schöne Wendung genommen. Schließlich zogen wir uns dann auch früh zurück, da am nächsten Tag der Besuch bei der Formel 1 anstand.


4. Tag: Das Schamhaar im Eis

Zum Frühstück wollten wir uns noch gut stärken, damit der lange Formel 1 Tag gut durchgestanden werden konnte. Annika hatte einen Gutschein für ein Pfannekuchenrestaurant und so machten wir uns gegen 11:00 Uhr auf den Weg zum Pancake Parlour. Auf Grund der schon etwas fortgeschrittenen Uhrzeit knurrte mein Magen ordentlich und sobald mein Pfannekuchen vor mir gelandet war, wollte ich mich gierig auf Eis, Sirup und Teigware stürzen, doch ein Entsetzensschrei von Annika hielt mich zurück. Mitten auf meiner Schokoeiskugel türmte sich ein schwarz geringeltes Haar. Dick und glänzend hatte es sich dort drapiert, als wolle es einmal in seinem Leben einen ruhmreichen Auftritt hinlegen wollen. Der verdutzte Kellner war sichtlich peinlich berührt (was mich wiederum belustigte, war es etwa sein Haar?) und verschwand mit meinem Frühstück inklusive Pfannekuchen und (Scham?)Haar wieder in der Küche. Kurze Zeit später kam er mit unbehaartem Eis und einem Haufen Gutscheine wieder. Es täte ihm so Leid, versicherte er uns mehrfach und Kaffee und Frühstück gingen natürlich auch aufs Haus. Ich dankte Hermes im Stillen für unser kostenloses Frühstück und überlegte, ob es sich lohnen würde für die Zukunft ein entsprechendes Haarexemplar immer parat zu haben (verwarf diesen Gedanken jedoch sowohl aus hygienischen als auch aus moralischen Gründen schnell wieder).

Der Tag war demnach gut angerollt und kaum waren wir am Formel 1 Gelände angelangt, wurden wir auch schon mit einer Kampffliegerflugshow begrüßt. Trotz einer gewissen angeborenen Ignoranz und Intoleranz gegenüber Kampffliegern, muss ich gestehen, dass es schon beeindruckend ist zu sehen, wie 7 Flugzeuge auf engstem Raum irgendwelche „Pirouetten“ (ja, ja, ich weiß keine angewandte Militärssprache) drehen.

Das eigentliche Formel 1 Gelände erinnerte dann ein bisschen an ein Open Air Fesitval. Nur dass anstatt von Bässen Motoren dröhnten, anstelle von Konzertbühnen Motorcrossrampen aufgebaut waren und im großen Albert Park See Jetskiwassershows vorgeführt wurden. Doch die Leute saßen auf Decken, Campingstühlen oder einfach auf der Wiese, tranken ein kühles Bier, aßen ne Wurst oder Pommes, unterhielten sich, schauten Leute oder Autos und sogen einfach die Atmosphäre auf.


Wir waren am Tag des Qualifyings da und hatten ehrlich gesagt nicht so viel Ahnung was wann und wie von Statten gehen würde. Auf einmal brummten mächtig laute Formel 1 Motoren los und panisch dachten wir schon, es würde jetzt schon alles losgehen, bis wir auf einer Leinwand herausfanden, dass es sich noch um das abschließende Training handelte. Am Ende hatten wir genügend Durchblick, um uns für das Qualifying einen ganz guten Platz zu suchen, auch wenn wir (leider) die Unfälle und Fahrfehler immer verpassten. Dass weder Sebastian Vettel noch Michael Schumacher (man lese diese beiden Namen bitte mit englischer Betonung) die Pole Position erreichten, war eigentlich eher nebensächlich und deshalb gar nicht so schlimm, denn der erlebnisreiche Tag hatte sportliche Enttäuschung mehr als nur wettgemacht.
Abends ging’s dann noch los St. Paddy’s Day feiern. Ganz in grün und mit Goon (sympathetische Kopfschmerzen sind erneut angebracht) bewaffnet hieß es nun wieder internationales Volk zu beobachten. Mir schien es als wäre Australien für viele das Land, in dem sie sich zu verwirklichen versuchen und für manche Wenige das Land, in dem sie innere Ruhe (und vielleicht auch Selbstverwirklichung) gefunden haben. (Meine Beobachtungen beruhen allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer Kombination von einem Tag in der Sonne sowie mehreren Gläsern Goon.)


5. Tag: Bye bye Melboure, welcome home?
Am nächsten Tag trennten sich Annikas und meine Wege. Während Annika sich auf zum entscheidenden Formel 1 Rennen machte, wollte ich den sonnigen Morgen noch auf dem Victoria Market genießen bevor dann nachmittags mein Flieger ging.

Solltet ihr je an einem sonnigen Sonntag in Melbourne sein, so kann ich nur empfehlen auf den Victoria Market zu gehen. Es ist ein bisschen wie ein asiatischer Nachtmarkt, nur eben in der morgendlichen Mittagssonne, ein bisschen ordentlicher und sauberer und bei europäischer Atmosphäre. An meinem Sonntag spielte beispielsweise eine französische Band, Chansons aller Art. Die wuselige Geschäftigkeit der Melbourner schien genau hier ihren Wochenhöhepunkt zu finden und wäre da nicht ein Zimmer voll Chaos und ein Flug am Nachmittag gewesen, hätte ich den ganzen Tag auf dem Viktoria Markt verplempern können.
Trotz meines rechtzeitigen Aufbruchs auf dem Victoria Market schaffte ich es natürlich mich für meine endgültige Abreise extrem zu verspäten und nur mit Glück („Im Namen des Hermes, aller Reisenden und des magischen Gegenstandes“) noch rechtzeitig für meinen Flug einchecken zu können (die ca. 12 kg Übergepäck bleiben an dieser Stelle unerwähnt).

Und so landete ich am Sonntag, den 18.03. um 17:55 Uhr wohlbehalten in Brisbane, wo Struppi bereits auf mich wartete und ich ein bisschen das Gefühl hatte zu hause angekommen zu sein.


Mittwoch, 21. März 2012

Ein kurzer Nachtrag: 09.04.-13.04.2011 Melbourne & 13.04.-17.04.2011 Fiji

Jolis Welttournee 2012 hat nun endlich begonnen. Und während am Dubaier Flughafen schon wieder tausende reisende Eindrücken auf mich einprasseln, besinne ich mich auf vergangenes. Ja genau, da war ja noch was: wie war es eigentlich im letzten Jahr in Melbourne und Fiji?

Ich erinnere mich also ein Jahr zurück. Genauer gesagt, an den 09.04.2011: Joli geht surfen, während Jonas sich noch um Experimente an der Uni kümmert. Nachdem diese Dinge schließlich erledigt sind, fahren uns Freunde von Jonas zum Flughafen, wo ich ausgehungert und gierig über Sushi und Ginger Beer herfalle (vollkommen normale Fookensche Reisegestaltung). Und schwups, schon sind wir in Melbourne.

Melbourne begrüßt uns natürlich mit strömendem Regen. Melbourne im April, was für eine blöde Idee aber auch. Durch die dicken Regentropfen, die sich auf den abgedunkelten (ironischer Sonnenschutz) Scheiben des Shuttlebusses tummeln, versuche ich erste Eindrücke von Melbourne zu bekommen. Kleine Straßenbahnen kreuzen immer wieder unsern Weg. Autos ordnen sich ganz links auf einer Sonderspur ein bevor sie rechts abbiegen. Fahrradfahrer versuchen sich (eher weniger erfolgreich) gegen Regen und dichten Verkehr durch zu setzten.

Am Hostel angekommen, stellen wir fest, dass das Gebäude wie ein Geisterschloss aus einem Disneyfilm aussieht. Der Boden knarrt und biegt sich, das Treppenhaus ist riesig, die Zimmer klein aber sauber und an der Rezeption erfahren wir, wo man lecker essen gehen kann. Unter einem Schirm gedrängt bahnen wir uns den Weg um riesige Pfützen und reißende Bäche, in die „Straße des Essens“. Auf dem Bürgersteig ist nur ein kleiner Pfad frei gelassen. Rechts präsentieren sich Restaurants und Kneipen Schulter an Schulter, während auf der straßennahenseite des Bürgersteigs weiter Tische unter regenfeseten Vorbauten aufgebaut sind. Wir entscheiden uns für einen vielversprechenden Italiener und werden an einem der Außentische direkt unter einen Heißpilz gesetzt. Gut, denn unsere Brisbanesche Garderobe versagt bereits bei Temperaturen unterhalb 20 Grad. Während wir italienischen Wein trinken und einen großen Berg Pasta mümmeln, gilt es die Nachbartische zu beobachten. Am Nebentisch sitzen drei Mädels mit Tierhüten (Bär, Löwe und Giraffe). Im angrenzenden Restaurant haben sich südländisch aussehende Jugendliche an einer langen Tafel niedergelassen. Die Männer an einem Ende die Frauen am andern, aber alle unentwegt am plappern. So wirkt Melbourne auf uns ein und wir lassen uns von der Stadt treiben soweit der Regen es zulässt.

Man sagt, Melbourne sei die europäischste Stadt Australien. Das liegt nicht etwa am Baustil oder der Stadtplanung (ich war noch nie in einer Großstadt mit weniger Sehenswürdigkeiten), sondern eher an der Atmosphäre der Stadt. 

Während sich tagsüber das Volk in kleinen Cafes, die große Teile der engen Gassen unzugänglich machen, tummelt, erwachen nachts Clubs und Kneipen. Man hat das Gefühl es ist immer etwas los. So stolpern wir z.B. in eine Veranstaltung des Comedyfestivals, als wir eigentlich nur ein Bier in einem Irish Pub trinken wollen, in welchem dann internationale (sogar ein deutscher) Comedians schlechte, dreckige australische Witze von sich gaben. Neben dem vielseitigen sowie unerschöpflichen kulturellen und kulinarischem Angebot, ist in Melbourne die australische Sportbegeisterung noch größer als irgendwo anders im Land. Auf dem Yarra river tummeln sich Ruderer und Paddler, während sich am Ufer die Wege von Joggern, Radfahrern und Fußgängern kreuzen. Während Jonas und ich uns ins riesengroße National Cricket Stadion wagen, um beim Australien Football (kurz Footy) Brisbane verlieren zu sehen, strömt ein anderer Personenfluss zum Rugby. Beim Footy sitzen wir dann sogar in der Sonne und wundern uns darüber, was die unzähligen Menschen auf dem Spielfeld zu suchen haben. 

Neben 8 verschiedenen Schiedsrichtern (die sich aus Einwurf-, Feld-, Außenlinen-, Tor-, Ersatz- und Notfallschiedsrichtern zusammensetzen), laufen auch ständig sogenannte „running coaches“ und Auswechselspieler aufs Spielfeld, die entweder den aktiven Spielern Wasser oder Spieltipps bringen. Am meisten Bewegung kommt in das Spiel, wenn das Ei irgendwie ins Toraus geraten ist, denn dann sprinten die Linienschiedrichter in Richtung Feldschiedsrichter, damit die Einwurfschiedsrichter das Ei in der Mitte durch eine vollkommen bescheuert aussehende Bewegung wieder ins Spiel bringen. Das einzige, was unübersichtlicher als die Aufgaben der Schiedsrichter ist, ist das Punktesystem, welches nicht nur von der Art der Punkterziehlung (durch einen Pass oder einen Kick), sondern auch von der Position abhängt (man bekommt also auch einen Punkt, wenn man daneben schießt, weil man dann sozusagen das Nebentor getroffen hat).

Alles in allem lässt sich also folgendes zusammenfassen: „Die spinnen, die Australier!“ Und in Melbourne tun sie das auch sehr stilvoll. Ob im größten Kasino, das ich je gesehen habe, ob in St. Kilda am Strand oder in der wuseligen Innenstadt, sie sind überall aktiv, bewegen sich und machen dabei meistens irgendetwas beklopptes.

Nach diesen städtischen Eindrücken, machen Jonas und ich uns also auf ins eher entspannter Fiji (auch wenn der Weg zum Flughafen auf Grund meiner Reiseplanung zunächst zu einer etwas knappen nervenaufreibenden Sache wird). Und kaum sind wir die rund 2800 km geflogen, befinden wir uns auch schon am echten Ende der Welt. Man braucht eigentlich nur zwei Ausdrücke, um die Fiji Islands zu beschreiben: „Bula-Bula“ und „Fiji time“. Erster erwartet uns bereits am Flughafen in Form von einer 4 köpfigen Ukulele spielenden Band, die ständig etwas von Bula-bula singt. Bula bedeutet willkommen, aber auch hallo und tschüss und wahrscheinlich auch wie geht’s und alles andere, was man so in einem Wort ausdrücken kann. Wir werden also am Flughafen von irgendeinem „Uncle“ und einem „Cousin“ unseres Resorts abgeholt („bula-bula“). Auf dem Weg stoppen wir, um frischen Fisch zu kaufen, den es dann zum Abendessen nach Fiji-Art geben soll. Der erste Eindruck überzeugt also und auch die 3 km über ungeteerte und immer holpriger werdende Strecke bringt uns nicht aus der Ruhe, auch wenn wir Struppi natürlich sofort schmerzlich vermissen. Im Hotel angekommen dürfen wir eine Strandsuite anstatt dem gebuchtem Bungalow beziehen, zum gleichen Preis. Wir sind natürlich sofort begeistert. Wir treffen noch weitere Mitarbeiter des Resorts („bula-bula“), wobei sofort der typische fijianische Haarmob (der bei Frau wie Mann in gleicher krauseligen Haube auf dem Kopf türmt) auffällt. Später entdecken wir, dass sich dieser hervorragend zum aufbewahren von Bleistiften oder anderen Nutzgegenständen eignet.

Der erste Eindruck von Fiji löst pure Begeisterung bei uns aus. Abendessen auf eigener Terrasse, Hängematten direkt vor der Tür, das Meer keine 30 Meter von uns weg. Vor dem Schlafengehen noch ein gemütliches Cribbage bei Meeresrauschen und angenehmer Brise und eine lockere Unterhaltung mit Huzni dem Tourguide des kleinen Resorts. Wir erkundigen uns nach Touren auf der Insel und erzählen ihm unsere Pläne. Er wirkt etwas überrascht auf Grund unseres engen Zeitplans, sagt dann aber dass wir das am nächsten Tag alles mal durchsprechen könnten. 


Am nächsten Tag sprechen wir zunächst nichts durch, sondern lassen den Tag ruhig angehen. Etwa 50 Meter von der Küste entfernt liegt ein großes Riff. Mutig machen wir uns auf den Weg zum lauten Wellenbrecher und schürfen uns dabei Füße und Beine an den spitzen Korallen auf. Der Weg dauert ewig und jeder Schritt wird mehr und mehr zur Qual, doch ein echter Dickkopf dreht nicht um. Endlich sind wir am Riff angekommen und gucken etwas verdutzt auf die vor uns liegende „Korallenkante“, an der sich brutal laut und schäumend die Wellen brechen. Dann machen wir uns humpelnd auf den Rückweg. 
 
Als wir endlich wieder am Strand ankommen, teilt Huzni uns mit, dass unser Reiseplan so nicht funktionieren wird. Wir haben 2 Nächte auf einer Insel namens Mantaray (in memoriam Stingray) gebucht, aber dort fährt nur einmal am Tag eine Fähre. Die Fähre zurück auf die Hauptinsel käme leider erst Stunden nach unserer Abflugzeit an. Also disponieren wir um und beschließen nur einen Tag auf der Insel zu bleiben und dann noch mal ins kleine Resort zurückzukehren. Da der Tag schon halb rum ist, wird es wohl auch mit dem Tagesausflug nichts. Aber wir verabreden uns nachmittags mit Huzni um die nahegelegenen Höhlen besichtigen zu gehen. So vergeht der Tag mit eincremen, schwimmen, sonnen, eincremen, hängematten, essen, schwimmen, spazieren, eincremen, höhlen, schwimmen, essen und Cribbage. Und dann früh schlafen, denn am nächsten Tag geht’s ja früh los, um die Fähre nach Mantaray zu erwischen. Doch dann schlägt „Fiji time“ zum ersten Mal zu. Huzni versichert uns stetig, dass alles kein Problem ist und wir die Fähre auf jeden Fall noch bekommen. Doch als wir endlich am Hafen sind, ist die Fähre losgefahren. Vollkommenes Unverständnis! Wie kann eine Fähre einfach so zur angegebnen Zeit losfahren? Also geht’s zurück ins resorteigene Reisebüro. Dort wird für uns schnell eine andere Insel rausgekramt. Jonas und ich sind beide eher weniger überzeugt, aber irgendwie vom Fijianischen Management auch so überrumpelt, dass es schwer fällt eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Wir buchen also eine Fähre zur näher gelegnen Insel, welche natürlich (Fiji time) ca. 1,5 Stunden nach der angegebenen Zeit ablegt.

Auf unserer Insel angekommen, müssen wir feststellen, dass die Insel eigentlich nur aus unserem Resort besteht und die gesamte Atmosphäre etwas an den Ballermann erinnert. 
Trotzdem ist der Strand wunderschön und es gibt tägliche Schnorchelausflüge. Abends werden neben dem „Bula-bula“ Tanz (eine Art fijianischer Animationstanz) auch noch traditionelle Tänze, Gesänge und Feuerspucker vorgeführt. Wir probieren uns durch das fijiansiche Bier, wobei das meistangepriesenste „turtle beer“ für uns eher nach Handseife schmeckt. Trotzdem wird der Abend feucht fröhlich und der darauffolgende Tag am Strand und beim Schnorcheln verplempert. Am zweiten Abend lassen wir es etwas ruhiger angehen, denn am nächsten Tag steht ja auch schon die Rückreise wieder an. Als ich mit einem anderen Inselgast ins Gespräch komme, erfahre ich, dass Mantaray die wunderschönste Insel sei. Na super. Aber immerhin kommen wir von dieser kleinen Insel noch rechtzeitig für unseren Flieger zurück zur Hauptinsel. Denken wir zumindest. Denn unsere Fähre sollte um 11:00 Uhr von der Insel losfahren. Der Flieger geht um 16:00. Das sollte uns eigentlich genug Zeit geben. Um 12:00 teilt man uns mit wir könnten noch etwas zu Mittag essen bevor dann die Fähre gleich kommen würde, man würde uns aber bescheid geben. Gegen 13:00 Uhr gehe ich zum dritten Mal und diesmal schon etwas besorgt an der Rezeption nach dem Boot fragen. Ja, ne, das sei verspätet, würde erst um 15:00 Uhr ankommen. Fiji time! Panisch versuchen wir ein Wassertaxi zu organisieren. Gott sei Dank bekommt ein aufmerksamer Resortmitarbeiter unsere Lage mit und organisiert uns ein Wassertaxi und die Weiterfahrt zum Flughafen. Natürlich müssen wir für alles extra latzen, aber uns bleibt ja keine Wahl! Völlig fertig kommen wir gegen 15:43 am Flughafen an. So schnell wir können checken wir ein uns hasten zum Gate. Doch natürlich hat auch der Flieger Verspätung. Dieses Mal allerdings wegen Brisbane time, dort war der Flughafen wohl einige Zeit gesperrt. Trotzdem ist es schön zu wissen, dass wir bald wieder in der Realität und der funktionierenden Welt ankommen werden. 


Mittwoch, 20. April 2011

31.3.-3.4. Fraser Island


Als ich am Donnerstag Mittag so gegen 2 Uhr aus dem Krankenhausgebäude trat, strahlte die Sonne auf mich hinab. Nein, es ist nicht so wie ihr denkt. Normalerweise endet mein regulärer Arbeitstag nicht schon um 2 Uhr, aber da ich (mit freundlicher Unterstützung der Aussies) ja auch hier bin, um ein bisschen was vom Land zu sehen („you should really go on a trip! It’s gonna be cold soon!“), stand mal wieder ein Wochenendtrip auf dem Programm. Wohin ging’s? Nach Fraser Island. Wer war am Start? Jonas und Joli, die allen bereits bekannten „Fook’n Jo-Jos“, David (man betone das í!), ein Kollege vom Jonas und unser entspannter Spanier sowie Rachel, eine Bekannte von David und unsere kleine „is it safe?“ malaysische Chinesin. Und natürlich, wie könnte ich ihn vergessen: Struppi („wuff, wuff“), unser zuverlässiger 4W(heel) drive.


Wir fuhren also guten Wetters und guter Laune in Richtung Norden. Erstes Reiseziel: Rainbow Beach, wo wir eine letzte Nacht in Zivilisation verbringen wollten bevor es am nächsten Tag auf die Insel ging.
Die Weltmetropole Rainbow Beach hatte einiges zu bieten! Neben der Hauptstraße war eine ganze Nebenstraße der Hostelwirtschaft gewidmet. Wir hatten uns für ein kleines Hostel namens „Pippies“ entschieden, welches gleich den Anfang der Hostelstraße bildete. Pippies war freundlich und nett, hatte einen Fernsehraum mit stockfischigen „Mamamia-auf-DVD-Guckern“ sowie eine Küche auf Stelzen mit weintrinkenden Bagpacker-Gangs. Vollkommen angebrachter Weise brachte man uns im Hollywoodzimmer unter. Nachdem wir Hollywood bezogen hatten, machten wir uns auf zu dem kulinarischen Tipp unsrer Rezeptionistin: einem italienischen Resto. Kurz vor Aufbruch zum ersten gemeinsamen Abendessen meldete sich zum ersten Mal Rachels asiatische Standartfrage: „Is it safe?“ Und tatsächlich schwante auch mir in Rainbow Beach nichts als Unheil, sodass ich das Abriegeln der Glastür (es waren ja nur knapp 30 Grad draußen) als unbedingt notwendig erachtete.
Das Abendessen beim Italiener war dann nicht nur safe, sondern auch ausgesprochen lecker, sodass wir zufrieden schnurrend ein Six-pack Bier im Alkoholshop kaufen konnten, um uns damit gemütlich an den Strand zu trollen. Der Strand von Rainbow Beach überzeugte mit atemberaubenden Sternenhimmel, stiller Abgeschiedenheit und einer frisch-lau-bis-kühlen Briese. Schade war nur, dass der einzige trockene Fleck am Strand genau im Straßenscheinwerferlicht des Surfclubs lag. Naja, so war immerhin alles safe.
Nach einer Zeit der schweigsamer Meditiererei und fröhlichen Rumalberei, machten wir uns auch schon auf den Weg zurück zum Hostel, denn schließlich wollten wir am nächsten Morgen früh auf die Insel aufbrechen. Gott sei Dank konnte ich Rachel davon überzeugen, dass Jonas und David bestimmt in der Lage sein würde sämtliche nächtlichen Einbrecher in die Flucht zu schlagen, sodass eine geruhsame Nacht inklusive ausreichend Sauerstoffzufuhr gesichert war.

Struppi bellte bereits ganz aufgeregt, als wir am nächsten Morgen in Richtung Fähre aufbrachen. Und wenig später wurde auch schon der Allradantrieb eingelegt, um durch den tiefen Sand das Boot zu erreichen. Erneut schien eine pralle, dicke Sonne auf uns hinab und alles war in freudiger Erwartung auf die Überfahrt. Goodbye Pippies, welcome to Fraser Island.
Vielleicht sollte ich ein paar Worte über die Insel verlieren. Das besondere an Fraser Island ist, dass es eine komplette Sandinsel ist. Es gibt zwar drei verschiedene Arten von Wald, aber keine geteerten Straßen oder geebnete Wege. An einigen ganz kniffligen Stellen gibt es vielleicht schon mal ein paar Holzplanken zur Unterstützung, aber das war dann auch alles. Die „Inselautobahn“ ist der Strand, an dem man bei Ebbe 80 km/h fahren kann, während man sich auf den Backroads je nach Befahrbarkeit so zwischen 3 und 30 km/h schnell wird.
Da bei unserer Ankunft Flut herrschte ging’s zunächst über die Backroads. Holper, holper, wuff, wuff, polter, polter. Viel besser vermag ich Struppis Bewegungen über Stock (oder besser gesagt Wurzel) und Stein nicht zu beschreiben, da muss man glaub ich selber mal in so nem 4WD rumgehüpft sein, um das nachvollziehe  zu können.
Die andere Besonderheit an Fraser Island sind diverse Süßseen, die über die Insel verstreut liegen. Einen derselben erreichten wir gegen Mittag. Schnell eine Runde schwimmen und dann große, leckere Sandwiches zum Lunch. So der Plan. Doch als wir das Seeufer erreichten, mussten wir feststellen, dass da, wo eigentlich Strand sein sollte nun See war. Der Regen hatte also auch auf Fraser Island die Pegel steigen lassen. So schmierten wir uns schnell die Sandwiches und brachen auf, um eine andere Zugangsstelle zum See zu finden. Wir erreichten bald einen kleinen Trampelpfad und nach ausgiebigen Trampeln auch das Seeufer. An der neu entdeckten Stelle war zumindest ein etwas weitläufiger Zugang, den man mit viel Phantasie als Strand bezeichnen konnte. Also rein in die Schwimmsachen und los ging’s. Während Jonas und ich bereits die Bauchnabelgrenze erreicht hatten, zitterte David noch am Uferrand und Rachel erkundigte sich nach der Sicherheitsstufe der Seebegehung. Doch schon kurze Zeit später plantschten wir alle zufrieden im See herum, während immer mal wieder Baumwipfel vom Ufer aufragten. Außerdem hatte der See (wahrscheinlich zur besseren Tarnung) die braune Farbe des Laubs angenommen, sodass ich unter Wasser als echter sonnengebräunter Tourist durchgegangen wäre.

Nach dieser kleinen Mittagspause ging’s auch gleich wieder weiter. Immer in Richtung Norden, wo unser Campingplatz lag. Doch schon nach kurzer Zeit, kamen wir erneut an einem See vorbei. Kurz aussteigen und schauen, wie der so aussieht konnte nun wirklich nicht schaden...
Als seien wir durch ein magisches Tor gekrochen, purzelten wir auf einen weißen Sandstrand, der den glasklaren See säumte. Und außer uns, keine Menschenseele weit und breit. Begeistert sprangen wir ins Wasser, spielten mit unserem australischen Football (der ist im Prinzip wie son amerikanisches Ei aussieht) und plantschten im seichten lauwarmen Wasser vor uns hin. Die Sonne war nach einer kurzen Regenpause auch wieder hinter den Wolken aufgetaucht, um dem schönen Nachmittag noch ein Sahnekrönchen aufzusetzen.


Als so langsam erste andere menschliche Wesen dieses Plätzchen Erde zu invasieren drohten, verließen wir unser kleines Paradies, um nun wirklich den Campingplatz aufzusuchen. Auf dem Weg dahin durften auch David und ich Struppi mal durch die Gegend fahren (Rachel fahren zu lassen, wäre not safe gewesen) und schon bald hatte ich meine Leidenschaft fürs 4W driving entdeckt. Wir schafften es trotzdem sicher zu unserer nächtlichen Ruhestätte, wo wir es gerade noch fertigbrachten vor Einbruch der Dunkelheit Zelte aufzubauen und uns ein bisschen einzurichten.


Zum Abendessen stand Barbecue Nr. 1 auf dem Programm. Doch zunächst musste dafür ein echtes Feuer entfacht werden. Mittels Zeitungspapier und vieler gesammelter kleiner Stöckchen gelang es auch nach einer Weile ein Feuer in Gang zu bringen, das die drei großen Holzklötze in Brand setzte. Doch sobald wir versuchten sie so zu wenden, dass sie den Grillrost halten konnten, kühlten Feuer und Glut rapide ab. Wie sollte so je das Känguru gar werden? Wir talpten also rüber zu den in Australien üblichen Gasbarbecues doch einer der beiden ließ sich gar nicht erst anschalten und der andere wurde einfach nicht warm. Während ich also begann darüber nachzudenken, ob nun etwas ältere Spanierwade oder doch junges Chinesenfleisch besser schmecken würde, unternahm David einen neuerlichen Versuch den Naturgrill ans laufen zu bringen. Schließlich klappte es mit aerodynamisch perfekter Holzscheitarchitektur doch noch die Glut heiß genug zu bekommen, um unsere Kartoffeln zu garen und die Würstchen, die Kängurus sowie die Schweinefilets schmackhaft und knusprig zu grillen. Schnell noch die Dingofallen überwinden (der Campingplatz war natürlich Dingo safe!), um eine Runde unsere Campingstühle am Strand Probe zu sitzen und dann ging’s auch schon ab in die Falle, es war ja schließlich schon nach 9!

Am nächsten morgen packten wir unsere Zelte wieder ein, talpten zu den funktionstüchtigen Barbecues (das Kaffeekochen dauerte zwar eine Weile, aber lohnte sich) und planten den Tag. Am Abend wollten wir uns einen Beachcampingplatz suchen, also einen Platz am Strand oder in den Dünen, wo wildcampen erlaubt war. Doch zunächst wollten wir noch die unmittelbare Umgebung des Campingplatz erkunden, denn, wie unser erfahrener Führer Jonas wusste, gab es direkt neben dem Campingplatz eine riesige Sanddüne. Als wir aufbrachen erwartete ich einen kleinen Sandhaufen, der Spiel, Spaß und Freude für Kinder unter 10 versprach, doch schon bald hatte ich den Eindruck mich in der tiefsten Sahara zu befinden. Jedesmal, wenn wir dachten endlich die höchste Düne erreicht zu haben, türmte sich eine neue vor uns auf. Doch irgendwann erreichten wir einen Punkt, von dem man ein Überblick über das Sandspektakel hatte, eine riesige Fläche heller Sand, umgeben von Urwald, an drei Seiten und abgegrenzt durch Meer an der vierten.



Als wir wieder zurück bei Struppi waren, galoppierte dieser weiter in Richtung Norden, da wir dort die schönsten Strandcampingorte vermuteten. David und ich bestanden allerdings darauf auch einmal im Meer schwimmen zu gehen und so schlugen wir schon bald den Weg in Richtung Westen ein, um die Insel einmal über die gesamte Breite zu überqueren. Auf der anderen Seite schien es einen vielversprechenden Schwimmplatz zu geben. Vielversprechend, zumindest sah er zumindest noch auf unserer Karte aus, doch einmal angekommen, wirkte es eher, wie eine gute Stelle zum fischen, als zum Schwimmen. Doch der erfahrene Abenteurer lässt sich von so was natürlich nicht abhalten und so wandert wir übern Strand, durch knöcheltiefes, braunes, stinkendes Etwas (ich weigerte mich einfach das zu Ende zu denken) und dann wieder übern Strand. Irgendwann kam ein kleiner Baum in Sicht, unter dem wir unser Lunch in den Schatten stellen konnten, ein guter Ort für unser Mittagspicknick.
Jonas und David waren bereits bis zur Hälfte über die Sandbank gewatet, ich folgte dicht dahinter und Rachel bildete die Nachhut. Ich bemerkte zwar, dass Jonas und David stehen geblieben waren und auf irgendetwas deuteten, aber noch dachte ich mir nichts dabei. Als ich aufgeschlossen hatte, berichteten sie, dass sie vielleicht einen „Stingray“ gesehen hätten. Sofort rief ich mir den toten australischen Krokodilehunter ins Gedächtnis, der mitten ins Herz gestochen wurde und daran starb. David zuckte mit den Schultern und so wateten wir weiter. Zu dem Zeitpunkt waren wir vielleicht 300 Meter der Sandbank überquert, etwa die Hälfte bis zu den sich brechenden Wellen. Da stieß Jonas auf einmal ein „Oh my God!“ aus und der größte Stingray, den die Menschheit je gesehen hat (Zitat David: „Like a huge airbus!“), steuerte direkt auf uns zu (in Wirklichkeit war er wohl ca. 1,5 Meter breit). Während sich der Killerrochen wahrscheinlich gerade überlegte, wie er möglichst schnell vor 4 riesigen Menschen fliehen könne, brach bei uns die beherrschte Panik aus. Rachel wollte auf Davids Arm springen, Jonas stand einfach nur da und ich überlegte panisch, wie ich wohl innerhalb weniger Sekunden das Fliegen erlernen könnte.
Betont lässig, auf keinen Fall hektisch rennend und mit dem rasensten Herz aller Zeiten schafften wir es gerade noch so wieder ans Ufer zu kommen. Von diesem Zeitpunkt an wurde „oh my god!“ der Spruch der gesamten Fahrt und der Frage: „is it safe?“ immer ein „no stingrays?“ angefügt.

So waren wir froh, als wir am Abend einen schönen Strandcampingplatz in den geschützten Dünen fanden. In unmittelbarer Nähe eines Sees, der zwar nicht so klar und sauber war, wie der vom Vortag dafür aber Seile an den umliegenden Bäumen befestigt hatte, mit Hilfe derer man ins Wasser springen konnte. Wir bauten die Zelte auf, entschraubten den Wein und begannen mit Barbecue Nr. 2. Es dauerte erneut ein bisschen den (diesmal instant) Grill zu entfachen, doch „no worries“, natürlich wurden wir alle satt und zufrieden.
Nach der ganzen Aufregung des Tages hatten wir uns eine geruhsame Nacht wohl verdient und so verzogen wir uns früh ins Zelt, wo ich begann von riesigen Stingrays und gefährlichen Dingos zu träumen. Als mich einer am Bein erwischte, wachte ich schweißgebadet auf, der festen Überzeugugn, dass wir einen Riesenlizard oder eine Schlange im Zelt hätten. Rachel schlummerte unberührt neben mir, während ich es erneut mit der beherrschten Panik versuchte („keep calm, keep calm! Where’s the fucking flashlight?“). Doch irgendwann schaffte auch ich es das Stingraytrauma hinter mir zu lassen und friedlich einzuschlafen.

Und schon war der letzte Tag angebrochen. Der Morgen begann mit dem nun schon bekannten Zeltabbau und einiger Verfahrerei (das die Flut auch den Strand unbefahrbar machen muss...). So erreichten wir gegen Mittag (wohl bemerkt zum zweiten Mal, konnte ja keiner wissen, dass der Weg nicht weiter führte) eine Service Station, die uns gnädiger Weise mit Kaffee versorgen konnte. Dann nahmen wir den letzten Programmpunkt in Angriff: Lake McKenzie, der wohl schönste See der Insel.
Der Weg zum See war holpriger als alles, was wir bis dahin erlebt hatten und während ich versuchte Struppi in über ganze Wurzelfelder, riesige Steinbrocken und durch tiefen Sand zu bugsieren, musste ich das ein oder andere Mal denken, ob der Stingray wohl das letzte gewesen sein sollte, was ich in meinem Leben erlebt haben sollte. Doch nachdem wir auch die Riesenpfützen passiert hatten, erreichten wir den See doch noch.
Lake McKenzie war wirklich wunderschön, leider ein bisschen voll von Backpackerreisegruppen (komischer Weise kamen auf einen Typen ca. 8 Mädels), aber als wir den Nebenstrand erreicht hatten, mussten wir alle zugeben, dass weißer Sand und ein blau schimmernder klarer See sich sehr gut aushalten lassen.

Leider fing es bald an zu regnen und die Fähre musste ja auch noch erreicht werden. So machten wir uns auf den Rückweg, der auch noch ein kleines Highlight zu bieten hatte. Kurz vor der Fähre begegnete uns noch ein Dingo (wir hatten zwar morgens schon 2 gesehen, aber dieser hechelte einfach noch etwas freundlicher).


Um vor der Einreise nach Brisbane noch ein bisschen Inselsentimentalität beizubehalten gingen wir dann auch noch in Mooloolaba ganz frischen Fisch essen, bevor wir dann mit mehreren Tonnen Sand im Gepäck nach Hause zurückkehrten. 

Dienstag, 5. April 2011

März & April - Routine im Brisbaner Leben

Während man an einem morgen noch ein völlig Fremder in einer großen neuen Stadt ist, stellt man schon am nächsten Tag fest, dass das eigene Leben auf einen gefährlichen Strudel des routinierten Alltaglebens zusteuert.
So wache ich z.B. jeden morgen gegen 5 Uhr morgens auf, wenn sich die irischen Nachbarn auf den Weg zur Arbeit machen und gehe (wie sich das für einen guten Aussie gehört) so gut wie nie nach 23 Uhr ins Bett.
Um einen grobe Übersicht über die Fortgeschrittenheit meiner hiesigen Sesshaftigkeit zu verschaffen, habe ich die Woche mal für euch zusammengefasst.


Sushi-Monday

Der Montag beginnt meist mit einem ausgiebigen Kampf mit dem Wecker, der trotz mehrfachen Draufhauens einfach weiterhin darauf besteht, dass die Arbeitswoche nun beginnt. Mühselig schleppe ich mich zum Frühstückstisch, um die 2 (manchmal sogar schon geschmierten) Toast und den großen Becher Kaffee in Angriff zu nehmen. Wenn ich besonders struppig und verschlafen drein gucken, dann bereitet Jonas mir sogar mein Sandwich für’s Lunch vor (Avokado, Tomate, Käse und roasted Chicken).
Auf der Arbeit angekommen müssen zunächst die über’s Wochenende liegengebliebenen Emails abgearbeitet werden, dann werden alle Aufgaben in Angriff genommen, auf die ich am Freitag keine Lust mehr hatte. Lockere Kabel wieder angelötet, Fehlermeldungen im Computer behoben und Beschriftungen an meinem Modell auf den neusten Stand gebracht. Wenn ich schließlich mit dieser Arbeitswelle fertig geworden bin, ist es auch schon Zeit mein Sandwich in den Toaster zu schieben und anschließend zu lunchen. Mit so gefülltem Magen lässt sich natürlich erst einmal nichts verrichten, sodass nächste Arbeitsschritte sorgfältig geplant werden. Und wenn ich dann schon mal beim Planen bin, kann ich ja auch gleich schon mal herausfinden, was es denn noch so spannendes in den nächsten Wochen und vor allem am Wochenende zu entdecken gibt. Zu der Zeit, zu der Wochenarbeitsplan sowie Wochenendfreizeitsplan stehen, ist der Nachmittag bereits weit voran geschritten und es lohnt sich bei weitem nicht mehr mit irgendetwas anzufangen.
Zu Hause angekommen verschaffe ich mir dann erneut einen Überblick über das vom Wochenende übergebliebene Chaos und die in der Wohnung zu verrichtenden Aufgaben. Dann teile ich sie sorgfältig auf die verbleibenden Wochentage auf. Uff, von der ganzen Planerei knurrt mir jetzt aber ordentlich der Magen (das Sandwich um 12 Uhr ist schon längst Vergangenheit). Wo bleibt denn bloß der Jonas?
Da geht auch schon die Wohnungstür auf und der Jonas schneit herein, in der Hand eine große Tüte mit Sushi. Denn Montags, da ist Sushitag. Der Vasabi wird geschärft, die Schälchen mit Sojasoße gefüllt und die Stäbchen entzweit und dann wird ausgetauscht, was man sich für die kommende Woche alles so vorgenommen hat.


Burger-Tuesday

Am Dienstag fällt das Aufstehen bereits deutlich leichter. Die Bushaltestelle wird ohne mehrfaches, hektisches Umkehren (wegen vergessener Gegenstände) zeitlich erreicht. Und dann geht’s auch schon los.
Die Höhle der Engineers raucht bei der ganzen Beschäftigkeit, die ich an den Tag lege. Mein kleines Projekt wächst und wächst und immer wieder finde ich Ecken und Enden, an denen noch kleine Verbesserungen oder größere Zusätze dran unternommen werden können. Ich tüftle und knoble den ganzen Tag vor mich hin und ohne dass wirklich viel Zeit vergangen ist, wird es auch schon Zeit nach Hause zu gehen.
Dort angekommen lässt mein Magen verlauten, dass das 12 Uhr Sandwich nun schon eine ganze Weile her ist, doch zunächst muss noch die Wäsche abgehängt oder ein bisschen was für’s Frühstück eingekauft werden. Das hatte man ja am Montag wieder mal nicht gemacht.
Dann endlich der rettende Anruf vom Bruder. In einer halben Stunde am Burger Urge. Denn dienstags, da gibt’s Burger. Mitten in New Farm gibt’s nen Laden, der dienstags 2 Burger zum Preis von einem anbietet und so steht dem Chili-Chese Burger nichts mehr im Weg. Und auch der tollpatschige kleine Kellner freut sich inzwischen uns zu sehen. Wir sind ja schließlich so was wie Nachbarn.


Cafeteria-Wednesday

In meinem Notizbuch, das ich immer mit dabei habe führe ich eine Strichliste: Pro und Contra Australien. So gehen mir z.B. die unfassbar großen 50 Cent Stücke unheimlich auf die Nerven (wenn man auch nur 2 davon besitzt, braucht man für sein Portemonnaie einen Bollerwagen), wo hingegen mich das kulinarische Angebot hier so dermaßen von sich überzeugt hat, dass mir beim Gedanken an das baldigen Essen in der Pontstraße etwas flau im Magen wird.
Eine Sache, die ich wohl auf die Contra-Seite schreiben würde, wenn sie denn ganz Australien betreffen würde und nicht nur (wie Jonas mehrfach betont hat) meine Engineers, ist die Tatsache, dass alle immer ihr Mittagessen zu sich nehmen, während sie gleichzeitig weiter vorm PC hocken und ihre Paper lesen oder Daten auswerten. Ich gönne mir zu solchen Gelegenheiten in der Regel die letzte Ausgabe der Tagesschau oder ein kurzes Facebook update, doch selbst das finde ich für ein Mittagessen wenig interaktiv.
Doch der Mittwoch ist anders. Denn Mittwoch sind die meisten Students (Hiwis oder andere Studenten, die ein Projekt in der Arbeitsgruppe durchführen) anwesend und da fast immer irgendjemand sein Lunch nicht dabei hat (und weil ich sonst darauf bestehe) geht’s Mittwochs stets runter in die Cafeteria zum Speisen.
Das Gesprächsthema beim Essen dreht sich stets um die Frage, ob Fußball (also „real football“) oder Australian Rules Footy (also „here football“) die bessere Sportart ist. Dabei verlaufen die Argumentationen der beiden Seiten stets gleich. Für Fußball benötigt man einfach mehr „skill“ und man kann nur Tore erzielen, wenn man auch wirklich trifft (scheinbar bekommt man beim australian football auch Punkte, wenn man neben die Hauptstangen schießt). Während die AFL Fans argumentieren, dass ihre Sportart viel schneller sei und beim „soccer“ ja nie irgendwas passieren würde und am Ende stände es dann immer unentschieden.
Ich persönlich enthalte mich natürlich einer Meinung und genieße es einfach in Gesellschaft zu essen und ein bisschen etwas von der australischen Sportbegeisterung aufzuschnappen.


No-Name-Thursday

Ganz im Ernst, es muss ja auch nicht jeder Tag von Routine beherrscht werden. Ob ich nun früher ins Büro muss, weil mal wieder ein Tierversuch ansteht (ok, diesmal muss ich gestehen, dass mir der Hase wirklich Leid tat. Aber was nehmen die auch einen weißen Flauschigen?) oder ob ich am Abend spontan inspiriert ein Curry zubereite. Es ist einfach alles Möglich, denn mein Leben ist hier ja nicht festgefahren, sondern steckt voller schöner Überraschungen;-)


Flip-Flop-Friday

Freitag zählt ja eigentlich schon zum Wochenende. Deshalb hab ich einfach mal beschlossen, am Freitag heißt es Röckchen um die Hüfte und Thongs an die Füße, damit das Wochenende passend eingeläutet wird.
Da Arbeit übrig bleiben muss, die auf Montag verschoben werden kann und da mein Blick in der Regel so ab 2 Uhr Nachmittags vor Wochenendssehnsucht  zu explodieren droht, werden Freitags die Zelte etwas früher als gewöhnlich abgebrochen und es geht noch ein bisschen in die Stadt oder an den Fluss bevor ich Jonas dann auf das ein oder andere Feierabendbier treffe.
(Und falls es dann noch ins Casino geht, hab ich natürlich auch noch Casino zulässige Schuhe griffbereit parat!)


Adventure Weekend

Sitzen zwei Aussies am Strand. Sagt der eine: „Sag mal hast du das auch gesehen?“ Fragt der andere: „Den großen weißen Hai, der da in Richtung Ufer geschossen und dann in einer Welle verschwunden ist?“
Hah, aber es war gar kein Hai! Es war ein Joli in ihrer ersten Surfstunde! Und wenn man mal davon absieht, dass ich vielleicht hätte lenken lernen sollen bevor ich fast jedes Mitglied meines Kurses mindestens einmal umgesaust hatte und dass ich mir für nächstes Mal „Achtung! Ich reflektiere, kein direkter Augenkontakt“ auf meine weiße Haut tätowieren lassen sollte, bin ich der festen Überzeugung, dass mir eine große Surfkarriere bevorsteht! Immerhin stand ich ganze drei Mal auf dem Brett (obwohl ich mich liegend zugegebener Maßen deutlich schneller und natürlicher fortbewegen konnte), Blick zum Strand, Welle im Rücken.
Der gesamte Surfsamstagmorgen war ein voller Erfolg und als ich aus dem Wasser kam war nur noch eine Frage offen: Wann kann ich das nächste Mal surfen?
Jonas war da Gott sei Dank erstmal ein wenig zurückhaltender, schlug vor sich zunächst ein bisschen die Gold Coast  anzugucken und versicherte mir, dass ich noch mal die Gelegenheit bekommen würde zu surfen. Ich noch vollkommen im Wellenrausch und (wie sich später herausstellte) mit leichtem Sonnenstich stimmte allem enthusiastischst zu.
Wir erkundeten also noch verschiedene Strände der Gold Coast und aßen schließlich in „Surfer’s Paradise“ (da fühlte ich mich gleich wie in einem ganz neuen zu Hause) einen riesigen Burger (und das obwohl es gar nicht Dienstag war).
Danach brachen Sonnenstich, sportliche Höchstleistung und neue Sportbegeisterung alle in einem über mich hinein, sodass ich nur noch erschöpft vor mich hin dösen konnte bis ich um 21:00 Uhr nach einem erlebnisreichen Tag an der Gold Coast endlich schlafen gehen konnte.

So wachte ich topfit (ok, ich hatte zugegebener Maßen an allerlei Stellen verschiedene Grade an Muskelkater) und ausgeschlafen am Sonntag morgen um 7 Uhr auf. Das konfrontierte mich zunächst mit der Frage, was man um 7 Uhr morgens an einem Sonntag wohl so macht, denn diese Situation war glaub ich eine echte Premiere. Doch da ich nun ja auch einen australischen Bruder habe, ließ sein Erwachen nicht lange auf sich warten und so saßen wir schon bald bei französischen Croissants und einer Tasse Kaffee beim Frühstück und planten den Tag.
Er sollte uns vornehmlich zu den Koalas führen. Das erste Tagesziel: Das „Koala Sanctuary, Brisbane“. In Deutschland würde man so was wahrscheinlich Wildpark nennen und man würde allerlei Rehe, Wildschweine, Frischlinge, Ponys und Esel sehen. Und genau so war es dann auch, nur halt mit anderen Tieren. Und alles drehte sich in erster Linie um den Koala.


Meinen persönlichen Highlights  begegneten wir gleich am Anfang. Direkt neben dem Retirement Home befand sich der Kindergarten. Ob da wohl auch Beschwerden wegen Ruhestörung eingehen?



Danach erreichten wir das Haus der jungen und besonders verspielten Koalas...


...alle schliefen.


Etwas weiter konnte man sehen, dass wohl am Abend vorher ne große Party unter den Tieren im Sanctuary stattgefunden hatte. Sogar der Lizard hatte nen riesigen „Hang over“.


Der Anfang im Tierreich war also eher schleppend. Doch es gab tatsächlich auch Aktivität in der Tierwelt. Als wir gegen Mittag zu einer Vogelfütterung antraten, erklärte uns die Mitarbeiterin des Sanctuary, dass die Vögel etwas scheu seien und vielleicht nicht direkt kommen würden. So passierte wenige Sekunden nichts, doch dann kam eine Schar von „Rainbow Lorikeets“ herunter ein (wahrscheinlich durch den asiatischen Anteil der Menge verursachtes) Ohhh ging umher und dann waren die bunten Vögel auch schon überall. Die Futternäpfe, die jeweils von 2-10 Vögeln besetzt waren konnte man die Hand nehmen, wobei An- und Abflug der Lorikeets einen erstaunlich Rückstoß zur Folge hatte.
Einmal durch den Vögelsturm aufgeweckt schienen alle Tiere aus ihren Schalflöchern herausgekommen zu sein, sogar die Wombats und das Schnabeltier.

der stolze Lizard
ja, auch Wombats sehen blöd aus
Jonas freundet sich mit dem Strauß an
der Strauß reagiert mit Desinteresse
 Nur die Koalas und auch die Kängurus, die schliefen natürlich weiter. Alles andere wäre auch viel zu aufregend gewesen.



Nach dem Tierpark fuhren wir dann noch zum Mount Coot-Tha, einem Berg im Südwesten von Brisbane. Da ich auf der Hungerskala zunächst erst ca. 7 (von 10) anzeigte, schlug Jonas vor noch den botanischen Garten zu besuchen. Dieser erwies sich als sehr, sehr groß und botanisch, wobei mir persönlich besonders die Ausstellung verschiedener Bonsaibäume im Gedächtnis geblieben ist (war ich nun gewachsen oder die Welt geschrumpft?).
Doch je länger wir durch den Botanischen Garten streunten, desto lauter meldete sich besagtes Grummeln in meinem Magen. Schließlich war klar: Essen muss her und zwar recht schnell!


Und was könnte schöner sein als ein spätes Lunch mit Ausblick über ganz Brisbane? (Eigentlich nur ein spätes Lunch, das in weniger als einer halben Stunde serviert würde.)

Als wir endlich wieder in unserer kleinen Wohnung in New Farm angekommen waren, da stand auch schon der nächste Programmpunkt auf dem Tagesplan. Picknick im Park und anschließend den Abend beim australischen Sunday Night Comedy ausklingen lassen (der australische Humor erwies sich als erstaunlich dreckig und natürlich passagenweise unmöglich zu verstehen).

So schlief ich am Sonntag Abend  tief ein, wie ein dicker, zufriedener Koala und träumte von Sushi, Burgern, Coffee, wilden Tieren und großen Wellen. 

Ps: Every day is Ginger Beer day! Es gibt wirklich nicht, was mehr erfrischt als ein kaltes Ginger Beer, wenn man nach einem ereignisreichen (oder auch ereignislosen) Tag nach Hause kommt!