Mittwoch, 15. August 2012

Leben in Vancouver Teil I

Regenwald, Berge, Strand und Stadt. Das ist Vancouver!


Vancouver: Hauptstadt Kanasiens

Vancouver, welches erst um 1870 herum gegründet wurde, ist eine noch sehr junge Stadt. Einst sollte es Teil der USA werden, da die Staaten somit auch geographisch mit Alaska verbunden gewesen wären. Doch der damalige kanadische Premierminister beschloss eine Eisenbahn von Ost- zur Westküste bauen zu lassen und so das Land unzertrennlich zu vereinigen. Heute ist Vancouver eine der größten Städte Nordamerikas, wobei nur ca. 25% der 2,3 Millionen Einwohner echte Vancouverianer sind. Der Rest setzt sich aus Einwanderern aus ganz Kanada und dem Rest der Welt zusammen, wobei der Rest der Welt dabei stark durch den asiatischen Kontinent vertreten ist.

Das alles wusste ich natürlich noch nicht, als ich dem atlantischen Ozean den Rücken zukehrte und an der pazifischen Küste landete. Von meiner Wohnung hatte ich nur den Namen der nächstgelegenen Bahnhaltestelle sowie die Handynummer meiner Vermieterin. Doch noch vollkommen tiefenentspannt machte ich mich blinden Vertrauens auf den Weg nach „East Vancouver“. Und tatsächlich, nach einigem hin und her wurde ich von einer nur gebrochen englisch sprechenden asiatischen Assistentin eingesammelt und in mein neues zu Hause geführt. Dieses liegt etwas außerhalb der Stadt, allerdings noch nicht in einem der vielen Vororte. Mit der Bahn braucht man ca. 15 Minuten in die Innenstadt, mit dem Fahrrad eine halbe Stunde. Von hier zu Uni brauche ich zwar ungefähr eine Dreiviertelstunde, aber der Bus fährt durch und so kann ich die Zeit zum lesen, aus dem Fenster schauen oder schlafen nutzen.

Mein Zimmer beschränkt sich auf bescheidene 6 Quadratmeter, wobei es dafür 450 kanadische Dollar im Monat verlangt, denn Vancouver ist tatsächlich eine der teuersten Städte Nordamerikas, vielleicht sogar der ganzen Welt.


Die Wohnung hat allerdings so einige Vorteile. Erster Pluspunkt sind das geräumige Wohnzimmer und die große Küche.


Des weiteren haben wir ums Haus herum einen kleinen Garten, wobei man diesen nach hinten raus auch recht ungestört (bis auf kopfschüttelnde Nachbarn, die sich über europäisches Verhalten wundern) zum sonnen, lesen oder entspannen nutzen kann.

In der Ferne kann man vom Garten aus die Berge erkennen
Mein Fahrrad wacht über den Hintereingang der Wohnung
Das Beste an der Unterkunft sind allerdings die Japaner. Zum Zeitpunkt meines Einzugs lebten noch 4 Japaner in den andern Zimmern. Natürlich stellte ich mir direkt die Frage, ob ich nun in einigen Wochen mit Stäbchen essen, stets höflich nicken und schüchtern kichern würde oder aber ob es bald schon Bier trinkende, fluchende und Unsinn im Kopf habende Japaner geben würde. Diese wissenschaftliche Untersuchung musste zunächst jedoch auf die nächsten Wochen verschoben werden, denn zunächst gab es eine viel wichtigere Frage zu klären: Wo hatten die Japaner ihre Zahnbürsten? Als ich das Bad bezog, fand ich Duschzeugs, Seife, Kontaklinsenutensilien, Klopapier (jeder seine eigene Rolle) und Kosmetikprodukte, aber keine Zahnbürsten oder Zahnpasta.

Doch nicht nur die Japaner schienen mir ein Rätsel aufzugeben, sondern auch umgekehrt. Als ich mir eines Abends (ok, es war schon ca. 23:00 Uhr) noch ein Spiegelei briet, tauchte die erste Mitbewohnerin in der Küche auf: „Oh?!? Dinner???“ (dieses wurde sehr erstaunt und mit weit aufgerissenen Augen vorgetragen. Ich versicherte, dass mir nicht jeden Abend kurz vor Schlafenszeit ein Ei braten würde, nur an diesem Tag irgendwie die Abendessenszeit verpasst hätte, als die nächste hereinspazierte: „Oh?!? Dinner???“. Gleiche Gestik, gleicher Tonfall, gleiches Erstaunen. Ganz stark diese Bande!

Insgesamt ist das Zusammenleben mit Japaner (zumindest den meinen) in der Tat sehr angenehm. Sie sind ruhig, leise, zuvorkommend, sauber, höflich und verstehen (wenn die Sprachbarriere einmal überwunden ist) sehr viel Humor. Leider sollte mein japanischer Klan nicht lange zusammenbleiben, denn schon bald zogen erst 2 und dann auch noch die dritte der 4 Japaner aus. Es blieb mir also nur noch Maiko, meine direkte Zimmernachbarin, die (wie sich vielleicht schon vermuten ließ) zu früherer Zeit einmal 3 Jahre in Frankreich gelebt hat und dort eine Ausbildung zur Konditorin abgeschlossen hat. Und die in Strasbourg nicht nur französisches Backwerk, sondern auch gute deutsche Wurst kennen und lieben gelernt hatte.


Während Maiko mich also öfter mal mitnimmt, wenn sie und ihre Freunde aus der englischen Sprachschule irgendwas unternehmen, kam es in den restlichen Zimmer zu reger Wechselei. Zunächst zog China ein. Und mit China auch eine zweite Zahnbürste ins Bad. (In der Zwischenzeit hatte ich alelrdings auch Maiko und eine der nun schon wieder weggezogenen Japanerinnen beim Zähneputzen erwischt.) Was mich erstaunte war, dass mir sofort der Unterschied von der Chinesin zu den Japanern auffiel. Schon beim Einzug, als um ca. 22:30 Uhr eine chinesische Großfamilie unsere Wohnung stürmte und alle mindestens 10 mal durch Flur und Wohnzimmer trampeln mussten, kam ich nicht umhin zu bemerken, dass man in der chinesischen Kultur nicht so viel Wert auf akustische Rücksicht zu nehmen scheint. Auch mit der Sauberkeit sieht es bei China nicht ganz so rosig aus (so scheint z.B. duschen ein synonym für „Badezimmer unter Wasser setzten“ zu sein). Doch alles in allem ist auch die chinesische Mitbewohnerin nett und umgänglich.

Und Wiedergutmachung ließ auch nicht lange auf sich warten, denn in den andern beiden Zimmern zogen erneut Japaner ein. So gibt es neben Maiko nun auch noch Yasu, einen tapsigen Riesenjapaner mit rot gefärbten Haaren. Yasu ist ganz begeistert, dass ich aus Deutschland komme und bietet mir ständig Süßigkeiten, Bier oder Zigaretten an. Im Gegenzug darf er mitessen, wenn ich koche und auch wenn auch er durch seine Tollpatschigkeit die Hausruhe derweilen schon mal ein bisschen stört, ist es ein schönes Zusammenleben mit den beiden.


Doch auch wenn die Wohnung schön ist und ich mich hier wohlfühle, so ist Vancouver gerade im Sommer eine Stadt, in der man sich so viel wie möglich draußen aufhalten sollte. Und was ich da so erlebe gibt’s dann beim nächsten mal. Hier aber schon mal ein kleiner Vorgeschmack, was es in Vancouvers Straßen so zu entdecken gibt...

Shoefiti! Weitverbreitet in Vancouver


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