Ruhig war’s um mich in den letzten Wochen. Das liegt nicht
etwa daran, dass ich Mitglied der chinesischen Mafia geworden bin oder mich
meinem unausweichlichen Schicksal gefügt habe Japanischer Filmstar zu werden,
nein, ich hatte zwei Wochen lang Besuch. So blieb neben der Arbeit und diversen
Erkundungstouren keine Zeit mehr das exponentiell anwachsende Erlebte zu
virtualisieren.
Vancouver präsentiert sich derweil weiterhin vielseitig. Doch
eine Sache, die ich nicht umhin konnte zu bemerken, ist die Tatsache, dass die
Stadt zwar noch sehr jung ist, dabei jedoch versucht ihrem eigenen Stil treu zu
bleiben. So gibt es in der Innenstadt z.B. ein Gesetz, dass eine gewisse
Wolkenkratzerdichte pro Quadratkilometer nicht überschritten werden darf.
Außerdem gibt es eine vorgegebene Anzahl an Stockwerken, die nicht
überragt werden darf. Ähnlich wie auch in Europa sollen durch diese
Gesetze die historischen Gebäude der Stadt geschützt werden. So z.B. Vancouvers
älteste Kirche, die Christ Church Cathedral, in welcher im Dezember des Jahres
1888 die erste Messe abgehalten wurde. Dass zu diesem Zeitpunkt nur die Hälfte
des Gebäudes stand und die Messen im Keller abgehalten wurden (richtig, es
stand sozusagen nur das Erdgeschoss und das ohne Dach) interessiert den stolzen Vancouverianer nun
wirklich nicht und nur die Tatsache, dass man die Kirche später mit
billigerem Material fertig stellte erinnert heute noch an die finanziellen
Probleme, welche die Stadt damals hatte.
Weshalb erzähl ich das ganze nun überhaupt? Achja, es gibt
eine sehr schöne und bezeichnende Geschichte zu dieser Kirche. Natürlich geht’s
mal wieder ums Geld. Und zwar wollten GWL Reality Advisors gerne ein neues und
höher als erlaubtes Hochhaus in Downtown bauen. Da dies jedoch auf Grund der gegebenen
Gesetzlage nicht ging, kaufte man einfach die Kirche (da es auf dem Konto der kleinen Gemeinde gerade ordentlich brannte) und transferierte den
Luftraum über der Kirche (heir durfte noch gebaut werden) einen Block
weiter nordöstlich.
Die wunderbare Ironie an dieser Geschichte ist, dass GWL
Reality Advisors ihr Hochhaus genau auf Burrard Street, Hausnummer 666 hochzogen. Die älteste
Kirche Vancouver wird also von einer Firma besessen, deren Bürogebäude sich mit
die Zahl des Teufels schmückt.
An jeder Ecke wartet also eine Überraschung. Das schöne ist
wirklich, dass es hier endlos viel zu entdecken gibt. Ständig gibt es kleine
Festivals und Veranstaltungen. So konnte man sich vor einigen Wochen in einem
Vorort von Vancouver durch Essen aller möglichen Nationen kämpfen, sich
in einem Park durch das Lichtermeer hunderter Laternen tragen lassen (ich hatte
mindestens 3 Tage lang noch Ohrwürmer aller St. Martinslieder) oder Abends am
Strand diverse Feuerwerke über der Stadt genießen.
Ihr seht, es geht mir nach wie vor sehr gut. Und da dieses
Wochenende ein langes ist, werd’ ich sicherlich endlich mal die Zeit finden ein
bisschen über die letzten Wochen zu berichten. Bis dahin sonnige Grüße




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