Freitag, 31. August 2012

Kurzes Lebenszeichen


Ruhig war’s um mich in den letzten Wochen. Das liegt nicht etwa daran, dass ich Mitglied der chinesischen Mafia geworden bin oder mich meinem unausweichlichen Schicksal gefügt habe Japanischer Filmstar zu werden, nein, ich hatte zwei Wochen lang Besuch. So blieb neben der Arbeit und diversen Erkundungstouren keine Zeit mehr das exponentiell anwachsende Erlebte zu virtualisieren.

Vancouver präsentiert sich derweil weiterhin vielseitig. Doch eine Sache, die ich nicht umhin konnte zu bemerken, ist die Tatsache, dass die Stadt zwar noch sehr jung ist, dabei jedoch versucht ihrem eigenen Stil treu zu bleiben. So gibt es in der Innenstadt z.B. ein Gesetz, dass eine gewisse Wolkenkratzerdichte pro Quadratkilometer nicht überschritten werden darf. Außerdem gibt es eine vorgegebene Anzahl an Stockwerken, die nicht überragt werden darf. Ähnlich wie auch in Europa sollen durch diese Gesetze die historischen Gebäude der Stadt geschützt werden. So z.B. Vancouvers älteste Kirche, die Christ Church Cathedral, in welcher im Dezember des Jahres 1888 die erste Messe abgehalten wurde. Dass zu diesem Zeitpunkt nur die Hälfte des Gebäudes stand und die Messen im Keller abgehalten wurden (richtig, es stand sozusagen nur das Erdgeschoss und das ohne Dach) interessiert den stolzen Vancouverianer nun wirklich nicht und nur die Tatsache, dass man die Kirche später mit billigerem Material fertig stellte erinnert heute noch an die finanziellen Probleme, welche die Stadt damals hatte.


Weshalb erzähl ich das ganze nun überhaupt? Achja, es gibt eine sehr schöne und bezeichnende Geschichte zu dieser Kirche. Natürlich geht’s mal wieder ums Geld. Und zwar wollten GWL Reality Advisors gerne ein neues und höher als erlaubtes Hochhaus in Downtown bauen. Da dies jedoch auf Grund der gegebenen Gesetzlage nicht ging, kaufte man einfach die Kirche (da es auf dem Konto der kleinen Gemeinde gerade ordentlich brannte) und transferierte den Luftraum über der Kirche (heir durfte noch gebaut werden) einen Block weiter nordöstlich.


Die wunderbare Ironie an dieser Geschichte ist, dass GWL Reality Advisors ihr Hochhaus genau auf Burrard Street, Hausnummer 666 hochzogen. Die älteste Kirche Vancouver wird also von einer Firma besessen, deren Bürogebäude sich mit die Zahl des Teufels schmückt.

An jeder Ecke wartet also eine Überraschung. Das schöne ist wirklich, dass es hier endlos viel zu entdecken gibt. Ständig gibt es kleine Festivals und Veranstaltungen. So konnte man sich vor einigen Wochen in einem Vorort von Vancouver durch Essen aller möglichen Nationen kämpfen, sich in einem Park durch das Lichtermeer hunderter Laternen tragen lassen (ich hatte mindestens 3 Tage lang noch Ohrwürmer aller St. Martinslieder) oder Abends am Strand diverse Feuerwerke über der Stadt genießen.


Ihr seht, es geht mir nach wie vor sehr gut. Und da dieses Wochenende ein langes ist, werd’ ich sicherlich endlich mal die Zeit finden ein bisschen über die letzten Wochen zu berichten. Bis dahin sonnige Grüße

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