Montag, 28. März 2011

11.3.-15.3. Brisbane - Hoher Besuch zu den geburtstaglichen Festlichkeiten

Nach drei sehr langen (ersten) Arbeitstagen, an denen ich zum größten Teil das Gefühl hatte rumzusitzen und klug in der Gegend dreinzuschauen, (als besonders knifflig erwies sich das bei häufig eintreffendem Besuch: „...and that’s Jolande, she’s over from Germany. She will be with us for five weeks.“ Grins, nick), war ich sehr froh am Freitag Nachmittag das Wochenende erreicht zu haben. Doch Wochenende bedeutet im Leben der Joli F. ja bekanntlich nicht unbedingt Erholung und Entspannung. Schnell noch ein eiskaltes Gingerbeer gezischt und dann war stand auch schon mein Besuch auf der Matte.  


Julia und Anni, die sich nun schon seit Wochen durch Regenwälder geschlagen, an verlassenen Stränden gesonnt, auf einsamen Sandbänken verbrannt oder in Hostelbars gefeiert hatten, glänzten nicht nur braun gebrannt, sondern strahlten auch ein gewisses Zivilisationsbedürfnis aus. Gut, dass der Wein bereits kalt gelegt worden war und der Jonas schon bald mit einer großen Portion Sushi zur Tür hineingeschneit kam. Wie sich das also für echte Fookens gehört trugen wir leckeres Essen und reichlich Getränke auf, um unsere Gäste bestmöglich zu verwöhnen. Und dann ging’s auf ins Valley, um Australiens wöchenendliche Feierklutur zu erforschen (Kulturschock 6!). Der Australier versucht sich so gut wie möglich in Schale zu werfen, wo möglich um ein bisschen von der Australierin, die sich so wenig wie möglich bekleidet (dafür aber mit um so mehr bzw. höherem Schuhwerk bewaffnet), abzulenken. Um bis ins Valley (das ist Brisbane’s größte Kneipen/Diskozone) vorzustoßen scheint man an einem Freitag Abend einen mindest Blutalkoholwert von ca. 1,5 Promille haben zu müssen, was besonders die Fortbewegungsweise der Australierinnen auf besagten wackligen Schuhwerk interessant gestaltet. Auch die Auswahl des erwünschten Partyorts ist schwieriger, als man sich das vielleicht denken würde. Verschiedene Clubs scheinen das Publikum mit grellster, geschickter Lichtblinkerei und dermaßen lauter Chartsmusik jeweils in den nächstgelegenen Club treiben zu wollen. So ließen wir uns ein bisschen von Musik, Lärm und Leuten durchs Valley treiben und den Rest, naja den weiß ich jetzt auch gar nicht mehr so genau...

Am nächsten Tag mussten wir uns also mit einem besonders großen Frühstück stärken. Eier, Bacon, Pfannkuchen und Toast. Diesmal nicht vom Gastgeber, sondern vom Gast höchstpersönlich serviert. Mmh, lecker (also nicht die Gäste, sondern das Frühstück). Allermanns (und -fraus) Wohlbefinden war also wieder hergestellt und der geplante Tagesausflug konnte in Angriff genommen werden. Es ging auf nach Ascot, zur Pferderennbahn. 


Jeder der Pferderennen mit heruntergekommenden Zockern und grölenden dicken Männern verbindet, der liegt hier vollkommen falsch. Während nämlich die Zocker in sonnengeschützten Zelten alle Rennen auf sämtlichen Pferderennbahnen in Australien verfolgen, tümmelt sich die eigentliche Meute auf der Tribüne bzw. an stilvollen Plastiktischen auf der Rasenfläche vor dem Zieleinlauf. Dabei besteht die Meute aus den Leuten, die entweder schon zu alt oder vielleicht auch einige Steuerklassen zu hoch waren, um sich am Abend vorher im Valley blicken zu lassen. Männer und Frauen (interessanter Weise in geschlechter-getrennten Gruppen) scheinen auf die Rennbahn zu kommen, um ihre Kleider, Hüte und Sonnenbrillen zur Schau zu stellen und sich dabei vollkommen zu betrinken (und das bei den hiesigen Bierpreisen). 

so sieht das dann bei den ganz großen Rennen aus. Statt Bier gibt's dann Sekt.
Ab und zu findet dann auch mal ein Rennen statt, was besonders Jockeys, Pferde und Rennstellhalter in Aufregung versetzt. Und vielleicht auch noch einige schüchterne Besucher (so wie mich z.B.), die es gewagt haben, ein wenig Geld zu setzen (und natürlich auch zu gewinnen). 


So verging der Nachmittag mit Leute gucken, Pferde gucken, Jockeys gucken,  Ships essen, Bierchen trinken und in die Sonne blinzeln. Zum perfekten Ende des Rennbahntages ging’s dann noch in der untergehenden Abendsonne mit der Citycat von Ascot zurück nach Hause.

Am nächsten Tag hieß es dann Vorgeburtstagsshopping, denn Jonas nahm mich mit in die Stadt, um mir schon mal eine Sonnenbrille auszusuchen (pst, aber nichts verraten, ist ja noch nicht so weit). Es war ein schöner, sonniger Tag und so kam ich auch mal in den Genuss an Brisbane’s Flussufer entlang in die Stadt zu schlendern (und auch wenn man’s wirklich leicht vergessen könnte, in solchen Situationen sieht man dann schon noch, was die Flut alles angerichtet hat). Trotzdem hat der Brisbaneriver für mich einen ganz besonderen Charm.
Nach dem Sonnenbrillenkauf verlief sich der Tag in weiteren Erledigungen bzw. kleinen Entdeckungen. Casino, Botanischer Garten und Southbank, alles einen (ja eigentlich sogar mehrere ) Blick(e) wert. Doch wie Wochenenden das so an sich haben, verging der Sonntag recht zügig und schon befand ich mich am Sonntagabend auf dem Weg zum Hostel, um mit den Mädels noch ein Bier zu trinken (schließlich musste ich ja Montag früh zur Arbeit). Dieser Plan verlief zunächst auch ganz gut, wir saßen auf der Dachterasse des Hostels, guckten ein paar Fotos, quatschten ein bisschen und spielten eine Runde Pool. Doch spätestens als ich meinen Fuß ins Casino setzte, hätte mir klar sein müssen, dass irgendetwas ganz und gar schief lief.
Als ich mich um 6 Uhr morgens auf den Weg nach Hause machte, hatte ich immerhin gut 150 Dollar mit einem mir geschenkten Casinoschip verdient. Und wenn das kein Trost war, dann konnte ich es ja auch immer noch darauf schieben, dass ich noch jung und dumm war. Mit 23 Jahren darf man so was schließlich noch machen.

Montag fiel es mir also nicht ganz so leicht mit meiner gewohnten hundertprozentigen Konzentration ans Werk zu gehen, doch viel Kaffee, gutes Wetter und die Vorfreude aufs abendliche Barbecue schafften es mich wach zu halten.
In Australien gibt es in allen Parks öffentliche Barbecues. Per Knopfdruck erwärmt sich magisch eine große Grillplatte, die in der Mitte ein kleines Loch hat, damit man nachher auch wieder ordentlich sauber machen kann. Zu meiner Vorgeburtstagsfeier hatte der Jonas also Känguru, Würste und Schweinesteaks besorgt. Dazu noch Brot und Gemüse und das Barbecue konnte losgehen. Meine geladenen Gäste: Jonas, Julia, Anni, Dan, Shawn und Michael, welche auch alle auftauchten. Etwas irritiert, aber hoch erfreut nahm ich die Glückwünsche meiner Arbeitskollegen entgegen (ich hatte doch eigentlich gesagt, dass mein Geburtstag eigentlich erst am Dienstag war). Ganz australisch teilte sich die Gruppe nach erster kurzer Vorstellungsrunde in männliche und weibliche Teilnehmer auf und jeder für sich genoss sein Bier, Wein, „Roo“, seine Paprika oder einfach die schöne kühle Abendluft und den Ausblick auf den Fluss.


Kaum hatten die Jungs aus der Arbeitsgruppe (vielleicht aus Angst vor nahendem Sauerstoffüberschuss) sich verabschiedet, bahnten sich auch schon die ersten Fledermausattacken an. Fledermäuse, die (wie eigentlich alle Tiere hier) ca. 10 mal so groß sind wie jede handelsübliche Fledermaus, toben sich gerne mal in der Abenddämmerung aus und scheinen dabei (wie eigentlich alle Tiere hier) überhaupt keine Hemmungen vor dem Menschen zu haben. Nachdem wir den Fledermäusen gegenüber unsere Position gerade noch so verteidigen konnten, mussten wir uns kurz später einer 15-Mädel-und-1-Jung starken deutschen Backpackertruppe  geschlagen geben. So wurde alles schön sauber gemacht und wieder eingepackt und die Suche nach einer weiteren Weggehmöglichkeit beratschlagt. Zunächst wagten wir einen Versuch in Southbank, doch dort wurden wir (wie eigentlich überall hier) um 22:00 Uhr rausgeschmissen. Nun hat man in Brisbane unter der Woche nach 22:00 Uhr eigentlich nur noch 2 Möglichkeiten: entweder man geht ins Casino (das schied allerdings wegen drohender Spielsucht meinerseits und falscher Fußbekleidung andererseits aus) oder in eine Backpackers Bar.

Nun wer würde nicht gerne in seinen Geburtstagreinfeiern, während in einer ranzigen Bar mit vollgekritzelten Wänden 2 Teams mit jeweils vier Mitspielern versuchen 4 Gläser Cola schnellstmöglich auszutrinken? Und wer würde nicht gerne um punkt 5 vor Mitternacht vom DJ „just for Joli“ happy birthday aufgelegt bekommen (hier in Australien ist man mit dem Datum und der Zeit und so wirklich nicht genau, ich glaube es ist nur wichtig, dass der Monat stimmt)? Klingt nicht so verlockend? Müsst ihr aber unbedingt mal ausprobieren, denn es macht wirklich Spaß! Es gab sogar Kuchen und ein Freigetränk und alles, was das nun reife und weise Joliherz so begehrt.
Und am Ende des Abends gab’s dann endlich auch noch den wohlverdienten Schlaf!


Am nächsten morgen ließen Jonas und ich den Tag dann ganz entspannt angehen. Ein schönes Geburtstagsfrühstück, Geschenke auspacken und sich dann langsam auf den Weg zur Arbeit machen. Der Besuch war wieder abgereist und so konnte nun alles wieder seinen gewohnten Trott gehen. Mit neuer Sonnenbrille ging’s auf nach Chermside, denn mit 24 da beginnt nun wirklich mal der Ernst des Lebens. Vielleicht...







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