Auf die Frage, wie ich dort wohl mit dem Bus hinkommen würde wusste zunächst niemand eine Antwort. Der Brisbaner fährt Auto, besonders wenn etwas weiter als ein paar direkte Busstationen entfernt ist. Diese Tatsche strafte ich zunächst noch mit einem gedanklichen ‚ihr Umweltsünder!’ ab, doch inzwischen weiß ich es besser. Busse fahren an dir vorbei ohne dich mitzunehmen, kommen zu früh, zu späte oder auch gar nicht, spucken dich eine Station zu früh aus oder halten nicht am angestrebten Fahrziel. Von all dem wusste ich Mittwoch morgens jedoch noch nichts. Ich war eher erstaunt darüber, dass der Busfahrer mich freundlich begrüßte und begeistert zustimmte, als ich ihn fragte, ob er mir Bescheid sagen könnte, wann ich aussteigen müsste (Kulturschock 5: freundliche Busfahrer). So erreichte ich gegen halb zehn bereits die Eingangshalle des Krankenhauses (Mr. Friendly Busdriver hatte mich nicht aussteigen lassen ohne den Weg genaustens zu beschreiben).
mein Weg zur Arbeit |
Die Eingangshalle war angegebener Treffpunkt und während ich mir noch selbst zu meiner gelungenen Anreise gratulierte, fragte ich mich auch schon, was man denn so macht, wenn man irgendwo rechtzeitig ankommt. Diese mir vollkommen ungewohnte Situation ließ mich leicht panisch auf und ab tigern. Verlegen lächelte ich jeden in Frage kommenden Menschen an, der die Eingangshalle durchquerte, nahm auf den Wartesitzen platz, ging vor die Tür direkt unter’s Eingangsschild und wieder zurück rein, nur um mich auch dort wieder verwirrt umzuschauen. 10:00 Uhr kam und ging und ich wurde so langsam leicht panisch. Vielleicht hatte ich mich ja in Zeit oder Ort geirrt? Um 10 nach rief ich Jonas an, damit er noch mal in der Email nachschauen konnte, die mir Daniel Timms (den einzigen Namen, den ich kannte) geschickt hatte. Aber Jonas bestätigte nur: Mittwoch, 10:00 Uhr, Eingangshalle. Oh nein! Was tun? In stoischer Gelassenheit fragte Jonas mich, ob ich denn mal angerufen hätte, woraufhin ich mit inzwischen hoch rotem Kopf zur Reception stapfte und verlangte einen Daniel Timms ausfindig zu machen. Zunächst schien es so, als ob Jonas brillanter Einfall die Gesamtsituation deutlich verbessert hätte, doch dann stimmte Daniel Timms Nummer im System nicht! Ich stöhnte, die Rezeptionistin lächelte und rief (mir beruhigend zuzwinkernd) die Krankenhausnummernauskunft an. Dann wählte sie erneut. Niemand nahm ab. Oh Gott, oh Gott.! Fünf Minuten später folgte der nächste Versuch. Wieder nahm keiner ab! Was tun? Inzwischen war es schon 10:23 Uhr! Ich wusste ja nicht, wie das in Australien so lief, aber ich wollte jetzt auch nicht an meinem ersten Tag gleich den fürchterlichsten Eindruck machen. Die Rezeptionistin riet mir mal in den ersten Stock zu fahren. Das war immerhin der einzigen Anhaltspunkt, den ich irgendwie hatte („Ok, thanks!“ „No worries! And good look“).
Im ersten Stock hielt ich mich in Richtung Atemsysteme. Wo jemand atmet, kann das Herz ja nicht so weit sein. Und nach äußerst auffälligem Auf- und Abgehen sowie flehenden Blicken, wurde ich tatsächlich von einer Schwester als hilfebedürftig identifiziert. Wo das Problem liegen würde? Ich wollte zur Critical Care Research Group (das war mir zum Glück in der Zwischenzeit wieder eingefallen)! Da müsse ich einen Stock hoch und nach Angela fragen, die könne mir bestimmt weiterhelfen. Mein angestrebtes Stockwerk zu verlassen widerstrebte mir zwar ziemlich, aber dass eine Etage höher eine gewisse Angle-a auf mich warten sollte, überzeugte mich dann doch. Und siehe da, Angela existierte wirklich, blonde Haare, breites Lächeln und ununterbrochen vor sich hin plappernd. Ja, da seie ich bei ihr genau richtig, sie würde sofort Daniel mal anrufen. Huch, sie hätte die Nummer ja gar nicht, ach dann würde sie mich persönlich vorbei bringen.
Auf dem Weg zum Labor („no worries!“) erzählte sie mir, dass sich alle immer über den Testosteronpegel da unten im Labor lustig machen würden. Auf diese Information folgte postwendend ein rothaariges Testosteronmodell, das scheinbar auf der Suche nach mir war („Jolande, from Germany? Ah, you made it. No worries!“).
So kam ich also doch noch wohlbehalten in der Höhle der Engineers an. Dan (besagter Daniel Timms), Shawn und Michael (der Rothaarige) verdeutlichten durch gekonnte Laborführung, dass sie der Kopf der Research Group waren.
Dan |
Shawn |
Michael |
ich |
Nach und nach kamen auch noch einige Studenten ins Labor, die teilweise auch ihren ersten Tag hatten. So war also alles erstmal wirklich so, wie die Australier immer sagen: no worries!
Nur mein anhaltendes Sprachproblem machte mir noch ein bisschen Sorgen. Der Rothaarige (Mr. Ballonhemd, wie ich ihn auch manchmal nenne) stellte sich mir zB. so vor: „Hi, I am Michael.“ Ich daraufhin: „Marco?“ Und er: „Yes, that’s right.“ Der Aussislang vermochte es also bisweilen mich ein wenig zu verwirren. Doch dann trat John Fraser in mein Leben. Der Boss-Boss der ganzen Gruppe (Dan ist der Boss, John der Boss-Boss).
John |
John Fraser ist (wie der Name vielleicht schon vermuten lässt) Schotte. John erzählte und scherzte, gab mir Ratschläge und erklärte verschiedene Sachen, während ich nickte, lachte, freundlich dreinblicke und mich fragte, was zum Teufel er wohl für eine Sprache sprach. Zum Glück bestätigte einer der anderen Studenten (wohl bemerkt selber ein Australier) mir später, dass auch er Probleme haben würde John zu verstehen.
Seitdem arbeite ich also in der kleinen kardio-vaskulären Arbeitsgruppe. Meine Aufgabe besteht hauptsächlich darin das zu tun, was Michael mir sagt. So löte, stanze und schraube ich munter vor mich hin. Das Ziel meines kleinen Projektes ist es ein Computersystem zu entwickeln, das die künstliche Herzpumpe (ein künstliches Herz zu entwickeln ist die Hauptaufgabe der Gruppe) in Reaktion auf Bewegung, Ruhe oder besser gesagt jede Lebenssituation reguliert. Dafür mussten wir zunächst das alte Modell auseinandernehmen und in sinnvoller Weise wieder zusammen setzten, sodass wir mit dem Computer ein Kontrollsystem herstellen können. (Control Engineering ist übrigens das Fach, in dem ich im letzten Semester am schlechtesten abgeschnitten habe. Aber so langsam versteh ich auch mal, was das überhaupt für einen praktischen Nutzen hat.)
meine selbstgemachte Box |
meine Box mit angeschlossener Pumpe und Kontrollsystem (Säulen) |
Die Arbeit in der Gruppe macht die meiste Zeit über sehr viel Spaß (wenn da nicht die blöde An- und Abreise mit diesen unzuverlässigen Bussen wäre). Ich fühle ich zwar manchmal so, als ob ich jegliche Arbeitsprozesse eher verlangsamen als beschleunigen würde, aber mit der Zeit, find ich mich immer besser zu recht Und da ich ja ein unbezahltes Praktikum mache (und sonst wär's vielleicht auch so) heißt es immer „no worries“, wenn ich mal früher gehen möchte oder ganz und gar einen Tag frei nehme. Da wir in den ersten Wochen jetzt schon das erreicht habe, was ich eigentlich in der kompletten Zeit hier machen sollte, bin ich nun wirklich gespannt, wie es weiter geht.
Morgen werde ich z.B. bei irgendwelchen Tierversuchen life mit dabei sein dürfen. Da die Arbeit so eng an das Krankenhaus gebunden ist und John (remember: der Boss-Boss) eigentlich auch Arzt ist, ist das gar nicht so ungewöhnlich. So war ich z.B. auch schon einmal bei einem Schafversuch dabei (unser künstliches Herz soll in diesem Jahr noch Schafen eingesetzt werden), bei dem John sich alle Mühe gab zu erklären, warum den Schaf irgendwelche Schläuche in die Lungen geführt wurden, ich jedoch natürlich kein Wort verstand. Aufregend war's trotzdem.
Wer ganz besonderes Interesse an dieser ganzen Forschungsgruppe hat kann auch mal n Blick auf die Homepage werfen: http://www.icetlab.com/ (und ja, ich bin unter Team zu finden ;-)).
Ansonsten werd ich auf jeden Fall auch noch berichten wie's weiter geht! Bis dahin, gutes Arbeiten and no worries!





s128 sabung ayam
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