Freitag, 18. März 2011

28.02.-01.03. Brisbane - erste Eindrücke, Australien


Auf Reisen schlafen ist ein bisschen so wie Fahrradfahren oder Schwimmen. Wenn man es einmal gelernt hat, ist es etwas ganz Natürliches. So musste ich nur noch in den richtigen Bus in KL einsteigen und schon war ich friedlich entschlummert und eh ich mich versah auch schon wieder in Singapur (ja es war mitten am Tag, aber ein ausgedehnter Mittagsschlaf hat noch keinem geschadet). Von der Bushaltestelle, an der ich ausgespuckt wurde, bis hin zur nächsten MRT Station waren es laut Schildern ca. 600 Meter. So stapfte ich also zu Fuß los, mit störrischer Entschlossenheit. Doch jeder Schritt addierte gefühlte 2 kg zu meinem riesigen Rucksack, die Handgepäcktaschen entwickelten gewichtstechnisch ein Eigenleben und wer hatte eigentlich die Idee diesen blöden Hockeyschläger mitzunehmen? Als ich endlich den Ticketautomaten erreicht hatte, war ich ready to shower, doch so gut ist selbst der Singapurer nicht ausgerüstet.  Doch ca. 3 Stunden später hatte ich mich ausreichend am Singapurer Flughafen regeneriert und brach zielstrebig in Richtung Brisbane auf.

Der erste Kulturschock Australien ließ nicht auf sich warten. Kaum hatte ich meinen Platz im Flieger gefunden, tauchte auch schon der wahrscheinlich einzige echte Brisbaner im ganzen Flugzeug neben mir auf. Ca. 1,98 m groß und gerade auf dem Rückweg von der Hochzeit seines Bruders. Aus Irland nach England, mit dem Bus nach Heathrow, von da nach Singapur und jetzt im Flieger zurück in die Heimat (diese Reiseroute stellte meinen kurzen Marsch vom Bus zur Bahn olfaktorisch instantan in den Hintergrund). Das größte Problem stellte allerdings unsere Verständigung da. Die erste Stunde ging ungefähr so: Aussi (leider hab ich seinen Namen vergessen, ich glaube es war Nick, let’s call him Nick): „So, what do you reckon about Singapur?“ Ich: „Apa?“ Nick: „Pardon me?“ Ich: „What?“ Nick: „What do you think about Singapur?“ Ich: „Ohh....ok, lah...“
Zum Glück war Nick in kürze eingeschlafen, sodass ich mich wichtigeren Aufgaben zuwenden konnte. So z.B. der Frage, welche Biersorten es an Board der Qantas Airline so gab. Kurz lies ich mich fast vom „Best airplane wine award“ ablenken, doch dann war ich back on the track und orderte mir ein echtes Australian beer. Sehr zur Freude zum gerade wieder erwachten Nick („Cheers!“) und meinem 1-Steward starken Fanclub.
3 Bier und einen ausgedehnten Nap später, landeten wir bereits im eigentlich doch so entfernten Australien. Mein Steward zwinkerte heftig und warf mir ein beim Rausgehen ein Jubiläumsqantasirgendwas zu, was alle Mitreisenden im Umkreis von 3 Personen mit lautem Neid erfüllte. Ich lugte nur auf die Größe des Ungetums, sah L-XL und dachte: ‚Cool, ein Geschenk für den Jonas!’ (und er hatte den Schlafanzug bis heute nicht an!)

So setzte ich also meine ersten Schritte auf australischen Boden. Sammelte mein Gepäck zusammen, lies mich kurz vom Hund beschnuppern und suchte die große Problematik, die man angeblich bei der Einreise immer haben sollte. Fand sie nicht. Genauso wenig wie Jonas, der doch eigentlich getönt hatte, dass er so viel schneller sein sollte. Doch der erfahrene Reisende klappt sein Buch auf, erschleicht sich einige Minuten freien Internets und verhält sich unauffällig bis er vom Abholdienst eingesammelt wird. No worries!

Also wir alles Gepäck in Struppi (Jonas Auto) verladen hatten (mehrere Bandscheiben ächtzen beim Gedanken daran), ging’s direkt mittenrein in den Brisbaner Verkehr.  Da der Mensch dazu neigt alles, was er sieht, mit dem zu vergleichen, das er schon kennt, konnte ich nicht anders, als den Eindruck zu bekommen mich in einem amerikanischen Südostasien oder eben in asiatischen Staaten zu befinden. Breite Straßen, große Kreuzungen, freistehende Häuser, große Werbeschilder, Linksverkehr (das erinnerte mich an Malaysia), Palmen, viel Verkehr, ein Geruch nach Abgasen, Regen und Hitze. Ich versuchte noch all das aufzunehmen, als wir schon abbogen und direkt hinter Jonas Wohnung einen Parkplatz fanden.

Die Wohnung ist irgendwie schwer zu beschreiben. Simple und klein, aber doch auch verwinkelt. Beim Eintreten steht man direkt im Ess/Wohnzimmer. Rechts gehen erst Küche, dann Dusche ab. Links kommt ein kleiner schräger Flur, von dem dann Klo und Schlafzimmer abgehen. Ich ließ mein Gepäck (und mich selbst gleich hinterher) fallen und fühlte mich sofort, wie zu Hause. Jonas begann derweil Frühstück in der Küche vorzubereiten. Und so begann mein australisches Leben.

Während Jonas sich gleich wieder in die Arbeit stürzen wollte/musste, fasste ich den ehrgeizigen Plan schon mal ein bisschen die Stadt zu erkunden. Doch zunächst einmal für ein Stündchen hinlegen. Wäre da nicht der Heckenschneider mit seiner Kettensäge direkt vor dem Fenster gewesen und die ca. 100 ungewohnten Geräusche, die mich immer wieder aufstehen ließen, um nachzugucken, ob jemand Fremdes in der Wohnung war, hätte das vielleicht auch geklappt, so entstand ein Zeitsprung von ca. 4 Stunden.
Gerade noch genug Zeit, um sich eine Go-(Bus)Card und eine Handykarte zu holen und sich dann auch schon wieder auf den Rückweg zu machen. Auf diesem stolperte ich eher zufällig über eins der zahlreichen Flussufer und genoss einige Zeit die Abendsonne auf einer kleinen Parkbank. ‚Großstadt mit Charm’, dachte ich noch bevor ich mich nach Hause verlief.


Es hieß also wieder mal schmerzende Füße, als ich endlich nach Hause zurück gefunden hatte und ein knurrenster Magen. Doch keine Angst, nun war ich ja unter der Obhut meines beschützenden älteren Bruders und schon kam eine riesige Portion Sushi durch die Tür geschneit. Ginger Beer, roher Frisch und n Fläschen Sekt, so feierten wir also mein Ankommen in Australien. Danach (schlurf, schlurf) ging’s noch auf eine kleine Runde durch die Neighboorhood, gerade so lang, dass ich in der Nacht besonders gut schlafen konnte.

Nächster morgen, 08:00 am. „Joli, steh auf! Du darfst jetzt keinen Jetleg bekommen!“ Hallo? Nur damit das ein für alle mal gesagt ist lieber Jonas, um 8 Uhr aufstehen bedeutet einen Jetleg haben. Um diese Zeit schlafen ist einfach nur gesund. So erlebte ich also Kulturschock Nummer 2. Der Australier steht früh auf!
So musste der Tag aber auf jeden Fall auch genutzt werden. 1. Tagesaufgabe: Bikini kaufen. Man kann sich auch noch so schön seinen Urlaub am Strand ausmalen, irgendetwas essenzielles vergisst man (Joli) wohl dann doch immer. 2. Tagesaufgabe: Versicherung für Struppi ändern. Sehr gut Joli darf jetzt auch fahren. 3. Tagesaufgabe: Innenstadt, Kasino, Uni und Southbank (Stadtteil am Flussufer) besichtigen. Dabei fielen nicht nur die Nachwirkungen der Flug auf, sondern auch, dass der Australier durchaus in der Lage zu sein scheint sie recht schnell zu beseitigen. 4. Tagesaufgabe: Citycatfahren. Citycat ist so was, wie der Bus auf dem Fluss und aus Aachen kommend kann ich nur sagen, dass nicht nur ein funktionierendes Verkehrssystem, sondern auch ein Fluss echt spitze ist. Man kombiniere dieses und schon hat man eine sogar praktische Attraktion.


5. Tagesaufgabe: Neuen Bikini am Strand tragen. Bei dieser Aktion wurde ich zunächst von der Weite dieses Landes und dann von der Höhe der Wellen überrollt. Wir fuhren ca. eineinhalb Stunden bis wir auf einer Insel nördlich von Brisbane angekommen waren. Dann war es auch schon so spät, dass man direkt ins Meer hüpfen musste, um danach noch genug Sonne zum Trocknen abzubekommen. Denn (Kulturschock 3), wenn es windet und die Sonne weggeht (und das ist wirklich früh, so zwischen 6 und sieben = Kuturschock 4) wird es wirklich kalt! So stürmten wir also unverzüglich die Wellen und ich staunte nicht schlecht über die Brandung. Entspanntem Badeurlaub kam das jedenfalls nicht gleich. Dafür aber ersten Surfereindrücken. Überhaupt scheint der Aussi an sich nicht allzu viel von entspannen und ausruhen zu halten. Alles ist ständig und überall in Bewegung (so also auch das Meer). Deshalb hieß es auch für mich nicht lange ausruhen, sondern gleich weiter. 4 wheel drive – Allradantrieb. Das deutsche Städterkind musste natürlich gleich am 2. Tag in australischen Sandhaufen geschickt werden. Viel Geduld („ich würde dir die linke Straßenseite empfehlen“) und Ruhe auf Seiten von Jonas, Verwirrung („mit links schalten geht nicht!“) und Aufregung bei mir. Doch am Ende hatte ich meine erste echte Runde im Sand gedreht, Struppi bellte noch und Surfer Jonas war noch in der Verfassung das Steuer wieder zu übernehmen. Der Tag also ein voller Erfolg!



Und die Krönung des Ganzen! Es war Burgerdienstag! Zwei Burger zum Preis von einem. Na, wenn das mal nicht der perfekte Start ins Leben am anderen Ende der Welt ist! Bleibt nur noch zu klären, warum man Tangas an den Füßen trägt und sich zur Verabschiedung zuprostet? 

Cheers! Und bis zum nächsten Mal.







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