Am Sonntag (27.02.2011), an der Grenze zum Montagmorgen, startete mein Flieger nach Singapur. Nach 2 Monaten Lernmarathon und anschließender gebührender Zelebrierung der letzten Klausur, fiel es mir nicht schwer, den größten Teil des Fluges zu verschlafen. So war ich überraschend fit, als ich mich in Singapur mit meinem Gepäck belud und die Reise in Richtung Hostel antrat. Den Weg zu finden, war nicht schwer und im Bahnsystem fand ich mich auch sehr schnell zurecht, doch die 20 kg auf meinem Rücken (in Kombination mit 30 Grad schwüler Tropenluft sowie 2 weiteren Handgepäcktaschen und einem Hockeyschläger, die auch irgendwie befördert werden wollten) machten mir schnell zu schaffen. So brach ich schweißgetränkt und mit zitternden Armen vor der Hosteltür zusammen. Erst einmal Schuhe ausziehen und los ging’s. Doch ich schien mich in Singapurs Hostelstraße Nummer 1 zu befinden, denn ich war zwar im richtigen Gebäude jedoch auf der falschen Etage (am nächsten Tag schaffte ich es auf die richtige Etage aber im falschen Gebäude). Gepäck also wieder aufgesattelt (Schuhe irgendwo untergeklemmt) und auf ins richtige Stockwerk (das vierte!). Dort angekommen, hatte ich mich inzwischen so sehr aufgelöst, dass ein eifriger Singapur-Chinese mir unmittelbar ein kaltes Glas Wasser vor die Nase setzte. Kaum hatte ich meine beiden Nächte bezahlt, eilte der Chinese auch schon wieder herbei und zeigte mir Duschen und Waschräume. So schlimm stand es also um meine derzeitige Körperpfelge. Artig lud ich alles Gepäck im Zimmer ab und eilte zur Dusche.
Frisch geduscht und zurück ins Leben hydriert konnte ich den Abend also noch nutzen. Da sich das Hostel in unmittelbarer Flussnähe befand, sollte das Ziel für den ersten Abend diverse Quays und Brücken rund um die Flusspartymeile zu besichtigen. Doch zunächst musste meine Ankunft mit einem kühlen Tigerbier und einer großen Portion Nasi Goreng im BK Eating Palace (ein plastikbestuhlter Straßenfoodcourt)gebührend gewürdigt werden. Danach ging’s dann los. Natürlich zu Fuß und schon nach den ersten Metern wirkten viele Dinge merkwürdig vertraut. Schlipp-schlapp machten die Flipflops. „Hack-hack-ah“ erklang das lebhafte Geplapper der Asiaten durch die Straßen. Es wehte ein angenehmer milder Wind und es roch nach Palmen, stickiger Luft, Bratfett und Monsunregen. Und als ich ans Flussufer kam wurde auch meinen Augen etwas geboten. Alles leuchtete. Reklameschilder, Lichterketten, Stühle, Dächer, Einkaufszentren, egal wo man hinschaute, es war alles bunt geschmückt und glänzte, blinkte, strahlte. Ich ließ mich an einer ungewöhnlich unbeleuchteten Stelle am Ufer nieder und beobachtete das aufgeregte Treiben. Nach einer Weile bekam ich Lust mich auch unter die Leute zu mischen und machte mich so auf zur nächsten Brücke. Doch auf der anderen Seite angekommen, fand ich mich in einer Art Phantasialand für Erwachsene wieder. Komisch angemalte Spielzeughäuser warben mit Happy Hour angeboten und übertrafen sich in der Aufwendigkeit bescheuert aussehender Sitzgelegenheiten. Zwischen den diversen Kneipen, Bars und Discos warben Straßenverkäufer mit ihrer gefälschten Ware, die nach dem Kauf wahrscheinlich in sich zusammenfallen würde, wie nasse Zuckerwatte. Also verließ ich das Partyparadies wieder, um mir eine Stelle weiter unten am Fluss anzuschauen die mich verlockend anfunkte. Doch auch dort sah wiederum die andere Seite des Flusses viel schöner aus. Als ich schließlich mit wundgelaufenen Füßen wieder ins Hostel zurückkehrte, hatte ich bereits gelernt, dass in Singapur die Lichter auf der andern Seite des Ufers immer schöner leuchten.
Den nächsten Tag wollte ich auf keinen Fall verschlafen. Also erhob ich mich bereits um 08:00 Uhr morgens aus meinen Gemächern und machte mich erstaunlich fit für Uhrzeit und bisherigen Reisehergang auf den Weg in Richtung Chinatown. Als ich ein bisschen gelaufen war, erinnerte ich mich wieder an die wundgelaufenen Stellen an meinen Füßen, entschied mich allerdings dazu dieses zunächst einmal zu ignorieren. In der Stadt war erstaunlich wenig los. Supermärkte, Malls und Straßenstände machten frühestens um 09:00 Uhr auf und so musste ich mir Zeit lassen bis sich der Bummel durch Chinatown auch lohnte. Während Singapur sehr grau, glatt und steril wirkt, wenn man seinen Blick nach oben zu den Hochhäusern wendet, sieht das Leben unten auf den Straßen ganz anders aus. Chinatown, bunt geschmückt und mit vielen kleinen Läden und Restaurants war geschäftig und lebendig. Mitten im Getümmel tauchte auf einmal auch ein Hindutempel auf. Etwas weiter folgte dann auch ein buddhistischer Tempel. Ich bahnte mir den Weg weiter in Richtung eines malay-chinesischen Viertels. Auch hier waren die Läden mit Blumen und anderer Deko liebevoll geschmückt. Doch trotz all des Staunens kam ich nicht umhin zu bemerken, dass meine wunden Stellen sich inzwischen in lebensechte Blasen entwickelt hatten. Jeder Schritt wurde schmerzhafter. Da mein nächstes Ziel eh ein Shoppingcomplex war, trat ich also den Rückweg an.
Ich wollte die Bahn am Raffleshotel nehmen, doch mein Weg dorthin wurde durch mehrere Baustellen erschwert. Als ich an der Haltestelle ankam, konnte ich weder ein spektakuläres Hotel noch irgendetwas anderes Spannendes entdecken. Ich bahnte mir meinen Weg weiter und sah ich plötzlich einem riesigen Raffles Kaufhaus gegenüber. Das Kaufhaus blinzelte mich mit teuren Schaufenstern an und schien mir nicht Flipflop fähig zu sein. Inzwischen war mein ganzes Dasein nur noch von dem Bedürfnis nach neuem Schuhwerk und etwas sättigendem im Magen getrieben. So ließ ich das nicht gefundene Raffles hinter mir (später am Abend stolperte ich noch einmal zufällig darüber; da war ich jedoch zu müde, um eine anständige Besichtigung durchzuführen) und stürzte mich in die Bahn.
Ca. 2 Stunden später fuhr ich in Richtung Norden der Stadt. In meiner Not hatte ich nur Batman Flipflops gefunden, das Hähnchen war trocken gewesen und mein Ausflug zum größten Elektrokaufhaus unerfolgreich. Den Plan mir ein neues Handy zu kaufen hatte ich in dem Moment über Bord geworfen, in dem ich bemerkte, dass man im Sim Lim Square nicht einmal in Ruhe ausatmen konnte, ohne gleich irgendein Elektrogerät aufgeschwatzt zu bekommen. Grimmig starrte ich das bunte Gemisch an Bahnfahrern an. Viele Chinesen, einige Inder und auch ein paar Schleiereulen. Orang putih („Weiße“) sah ich nicht. Überhaupt waren von denen weniger als erwartet in Singapur unterwegs. Es war höchste Zeit für mich aus der Stadt rauszukommen. Shoppen konnte ich auf Grund meiner sowieso schon heiklen Gepäcksituation sowieso nicht, meine Füße waren mehr Blase als Fuß und engen schwitzigen Körperkontakt hatte ich jetzt auch genug gehabt. Neues Ziel: Pulau Ubin. Zunächst mit dem Bus nach Changi und dann mit der Fähre übersetzen. Auf dem Weg zur Insel sammelte ich noch einen Chilenen ein (oder er sammelte mich ein oder wir uns, wie auch immer). Zusammen suchten wir die kleine Fähre und warteten artig bis 12 Passagiere eingetrudelt waren. Denn nur dann legt die Fähre ab. Bei 12 Leuten. Nicht mehr und nicht weniger. Ein mal auf dem Boot angekommen, überlegte ich wer wohl älter war, der Fährmeister oder das Boot selber und wer von den beiden wohl als erstes den Geist aufgeben würde. Doch da hatte ich den Meister der Kunst und sein Gefährt stark unterschätzt, denn wir erreichten die Insel sicher, obwohl unser Weg dorthin von einem mindestens 20 mal so großem Tanker gekreuzt wurde.
Pulau Ubin zeichnet sich dadurch aus, dass keinerlei motorisierten Fahrzeuge zugelassen sind. Und so leiht man sich ein Mountainbike aus (ich begann eifrig um den Preis zu falschen, der Chilene allerdings gab direkt bei dem ersten Preisnachlass stolz strahlend nach) und erkundet die Insel via Fahrrad. Zunächst radelten wir zu einer verlassenen Granitmine, die wie ein riesengroßer Swimmingpool aussah, danach noch an einen Strand zur Küste Malaysias (die Grenze war unschwer anhand hoher Drahtzäune zu erkennen). Dabei ging es immer auf und ab, mal über geteerte Straßen und mal über Trampelpfade. Als wir schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurück kehrten, waren wir gut geschafft und lechzten nach einem kühlen Bier (naja, zumindest ich). Danach wurde wieder auf zehn mitreisende gewartet und schließlich auch noch der Bus in die Stadt zurück verpasst, weil ich unbedingt noch etwas essen musste.
So war es schon nach neun, als ich wieder im Hostel ankam, mir die schmerzenden Füße abkühlte und schnell ein frisches T-Shirt überwarf. Ich wollte unbedingt in den Nachtzoo. Doch erst musste ich mich noch um den Bus für den nächsten Tag kümmern. „Very easy, just book online“, riet mir die heutige Rezeptionsbesetzung. Eigentlich war es wirklich ganz einfach, doch gerade als ich die zur Buchung nötige Zahlung tätigen wollte, fiel der Strom und somit auch das Internet aus. Schade, schade, denn die ganze Transaktion dauerte in folge dessen so lange, dass ich zu spät am Nachtzooshuttle ankam, um den Zoo noch vor Schließen zu erreichen. So fuhr ich also noch zum Marina Bay, einer modern angelegten „Flusspromenade“ in der Innenstadt. Die ganze Anlage hatte so einiges zu bieten (Museen, ne Mall, Theater, die Helixbrücke) und natürlich war alles schön aus- und angeleuchtet. Doch insgesamt war mir dieses Stadtgebiet ein bisschen übertrieben. Die beteiligten Gebäude in futuristischem Stile wirkten ein bisschen wie Fremdkörper in der Kultur, die ich am Tag noch in der Stadt gesehen hatte. Vielleicht war ich auch einfach zu müde, um alles richtig aufnehmen zu können, doch in diesem Moment war ich mir sicher, dass dieser aalglatte Touristenfang nichts für mich war.
s128 sabung ayam
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